Westlab LABTOP fifteenthree p Test

Nach dem erfolgreichen neuen Line-Array LABLINE twoeight (siehe Testbericht in PROSOUND 2/2015) hat der Schwerter Lautsprecherhersteller Westlab eine Neuheit in petto, die in einer ganz anderen Ecke der professionellen Beschallungskonzept angesiedelt, aber deshalb nicht minder interessant ist.

Es handelt sich um ein Lautsprechersystem, das vom äußeren Erscheinungsbild her ganz traditionell und geradezu unschuldig daherkommt, es aber faustdick hinter den Ohren hat. Die Rede ist von einem passiven, kompakten Fullrange-Lautsprecher mit 15″-Bestückung, die Westlab LABTOP fifteenthree p, der auch als Monitorlautsprecher eingesetzt werden kann.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test: die Konfiguration beim fifteenthree p ist ganz klassisch ausgeführt.
Westlab LABTOP fifteenthree p Test: die Konfiguration beim fifteenthree p ist ganz klassisch ausgeführt.

So weit, so vertraut. Denkt man. Immerhin ist der klassische 15/2-Lautsprecher mit 15″-Tiefmitteltöner und einer 2″- bzw 1,5″-Horn/Treiberkombination natürlich fast schon der Evergreen der professionellen Beschallungstechnik, um mal kurz in den Schlagerjargon zu verfallen. Ein Lautsprecher, mit dem man alles machen kann. Oder zumindest gerne würde. Guter Bass, kombiniert mit kräftiger Mittenwiedergabe und ebenso guter Sprach-/Textverständlichkeit, Impulstreue und silbrigen, feinziselierten Höhen. Noch mehr Märchen, irgendjemand?

Westlab LABTOP fifteenthree p Test – Klassische Probleme

Tatsächlich ist die traditionelle 15/2-Konstruktion mehr von Kompromissen geprägt als viele andere Lautsprechertypen, denn man hat dort versucht, den verbauten Lautsprecherkomponenten mehr Extremleistungen abzutrotzen, als sie eigentlich zu bringen imstande waren. Genau genommen gibt es in der klassischen 15/2 eigentlich niemanden, der richtig gut Mitten wiedergeben kann. Der 15-Zöller soll nämlich in einer Fullrange-Box genügend Druck im Bass machen können, gleichzeitig aber auch den langen Weg bis zu Einsatzfrequenz des Hochtontreibers überbrücken.

Einen 2″-Treiber kann man zwar niedriger ankoppeln, dafür bekommt er dann schneller Probleme im Hochtonbereich als ein 1″-Treiber – der aber wiederum eine höhere Trennfrequenz erfordert. Wie man’s auch dreht und wendet, eine 15/2-Box ist eigentlich prinzipbedingt kompromissbehaftet. Das soll nicht heißen, dass es noch nie gute Exemplare dieser Lautsprechergattung gegeben hätte. Die Beispiele, die mir spontan einfallen, sind aber praktisch ausnahmslos sehr teuer, weil sie mit den (aller)besten verfügbaren Komponenten arbeiten, um die prinzipbedingten Problemzonen möglichst zu begrenzen.

Der klassische Ausweg aus dem 15/2-Dilemma ist es, einen zusätzlichen Lautsprecherweg für die Mitten zu spendieren, was dann üblicherweise mit einem horngeladenen Konuslautsprecher kleineren Durchmessers bewerkstelligt wird. Das funktioniert und klingt auch gleich viel besser. Im Grunde handelt es sich dann aber schon wieder um einen anderen Lautsprechertyp, weil es dann zwangsläufig zwei Hörner gibt und man dementsprechend auch ein komplizierteres Abstrahlverhalten oder aber eine irgendwie geartete Koaxialkonstruktion akustisch und mechanisch in den Griff bekommen muss.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test – „Unter der Haube“

Die neue Westlab LABTOP fifteenthree p kommt aber sehr viel unscheinbarer daher. Selbst nach Entfernen des Lautsprechergitters sieht das Ganze noch so aus wie eine klassische 15/2-Box. Unter der Haube sieht die Sache aber schon deutlich anders aus, denn die Horn/Treiber-Kombination ist nicht ein Lautsprecherweg, sondern zwei.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test: Die Rückseite der Box.
Westlab LABTOP fifteenthree p Test: Die Rückseite der Box.

Westlab-Entwickler Chris Speth hat hier einen Koaxial-Kompressionstreiber von BMS spendiert, der erstens auf ein einziges Horn mit 1,5″-Anschluß arbeitet und zweitens den klassischen Kompromiss aller Kompressionstreiber nicht eingehen muss, nämlich sich zwischen tiefer Ankopplung auf der einen Seite und hoher oberer Grenzfrequenz ohne allzu viel Trickserei auf der anderen zu entscheiden [1].

Der in der LABTOP fifteenthree p eingesetzte Koaxialtreiber verfügt über zwei Ringmembranen, von denen eine laut Datenblatt von 300Hz bis 7kHz und die andere von 6kHz bis 22kHz einsetzbar ist. Für den Entwickler ist so ein Treiber ausgesprochen interessant, weil man damit die an sich sehr wünschenswerte Aufteilung des Mittelhochtonbereiches auf zwei Lautsprecherkomponenten realisieren kann, ohne sich damit an anderer Stelle Probleme mit dem Abstrahlverhalten mehrerer räumlich getrennter Lautsprecherwege einzuhandeln.

In der vorliegenden Konstruktion der Westlab LABTOP fifteenthree p wird der Koaxialtreiber bei ca. 700Hz angekoppelt, um einerseits den 15-Zöller von der Aufgabe der Mittenwiedergabe möglichst zu entlasten und andererseits eine hohe Belastbarkeit der Mittenmembran des Koaxialtreibers zu ermöglichen  – unterhalb von 700Hz ist deren Belastbarkeit niedriger und die Verzerrungswerte höher als gewünscht. Die Trennfrequenz der beiden Wege des Koaxialtreibers liegt bei 6,3kHz. Die Frequenzweiche ist komplett passiv realisiert und relativ aufwändig, weil sie diverse Komponenten enthält, die der Phasenanpassung speziell zwischen Konuslautsprecher und Koaxialtreiber dienen.

Dadurch und durch die Lage der Trennfrequenz sowie die Geometrie des Horns wird erreicht, dass speziell der kritische Übergang zwischen Konusmembran und Horn möglichst gleichmäßig über die Bühne geht, und zwar sowohl was den Phasengang, als auch das Abstrahlverhalten angeht.

Die Westlab LABTOP fifteenthree p ist als Hochleistungslautsprecher ausgelegt mit einer Nenn-Belastbarkeit von 1000/1500/3000 Watt (RMS/Programm/Peak). Das Handling der Box ist 15/3-typisch, das Lautsprechergehäuse weist verschiedene Anschrägungen auf, um die Box auch als Monitor mit verschiedenen Anstellwinkeln einsetzen zu können. Es gibt jeweils eine linke und eine rechte Version der Box, damit in einer Stereokonfiguration der neben dem Horn gelegene Bassreflexport keine Asymmetrien oder unerwünschte Modulationen der Mittelhochtonwege erzeugen kann.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test – Betrieb

Westlab hat also einen Lautsprecher auf den Markt gebracht, der zumindest von seinem äußeren Erscheinungsbild her ein klassischer 15/2-Lautsprecher zu sein scheint. Darüber hinaus handelt es sich um eine Passivbox. Wenn ein Entwickler wie Christopher Speth so etwas macht, obwohl ihm die modernste Controllertechnologie inklusive FIR-Filterung zur Verfügung steht, wird das schon seinen Grund haben.

Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Grund schlechthin, ist: Der Kunde will es so. Dagegen kann man als Hersteller und auch als Entwickler kaum ernsthaft anargumentieren.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test: PROSOUND-Redakteur Dirk Wedell bei der Arbeit mit der fifteenthree p.
Westlab LABTOP fifteenthree p Test: PROSOUND-Redakteur Dirk Wedell bei der Arbeit mit der fifteenthree p.

Nehmen wir also an, dass es Kunden gibt, die von Westlab eine passive Mehrwegbox mit 15″-Tiefmitteltöner kaufen wollen und auch eine Anwendung haben, für die eine solche Passiv-Lautsprecherbox die richtige Lösung ist. Eine Lösung wohlgemerkt, die mit allen Mitteln modernen Lautsprechertechnologie arbeitet, nur eben als Passivkonstruktion. Das ist wohl auch tatsächlich so der Fall, dazu später mehr.

Stellt sich die nächste Frage: Warum muss es denn ein 15-Zöller als Tieftöner sein? Mit einem modernen 12- oder 10-Zöller bekommt man den Übergang zum Mittelhochtonweg mit weniger klanglichen Kompromissen hin, die Box wird kompakter – und wer wirklich Bass braucht, muss sowieso einen Subbass dazu stellen.

Diese Frage ist für einen Außenstehenden nicht leicht zu beantworten, weil die Antwort vermutlich keine technische ist. Auch hier steht die Vermutung im Raum, dass die Zielgruppe für diese Box das eben so haben will. Als Argumentation könnte man sich etwa vorstellen, dass eine 12/2-Box bzw. -Anlage plus Subwoofer mehr Transportvolumen benötigt und zusammen schwerer ist als zwei Fullrange Boxen mit 15″-Tieftöner  – oder dass aus einem anderen Grund der Einsatz eines Subwoofers nicht infrage kommt. Falls das so wäre, müsste man tatsächlich eine 15/2- oder 15/3-Box einsetzen und versuchen, diese konstruktiv so hinzubekommen, dass der erweiterte Tieftonfrequenzgang nicht zu große klangliche Kompromisse im Mittenbereich erzwingt.

Mal unterstellt, Sie hätten es mit einer solchen Situation zu tun, bei der eine Musikveranstaltung oder eine Veranstaltung mit Musikbegleitung mit reinen Fullrange-Lautsprechern gefahren werden soll.  Dann müssen wir erwarten können, dass eine 15/3-Box ein größeres Areal bzw. eine größere Distanz zu Bühne versorgen kann, als beispielsweise ein 12/2-Lautsprecher.

Das liegt daran, dass die von einem 12- oder 15-Zöller abgestrahlten Bässe sich wegen der langen Wellenlängen im wesentlichen kugelförmig ausbreiten, der Pegel also mit zunehmender Distanz abfällt. Das tut er im Hochtonbereich zwar auch, hier kann man aber mit entsprechender Schallführung dafür sorgen, dass der Schall für die größere Wurfweite stärker gebündelt wird (Stichwort: Long-Throw-Horn). Das geht im Bassbereich ohne aufwändige Maßnahmen nicht so einfach, weshalb einer Fullrange-Box in einer gewissen Distanz sozusagen die Puste im Bass ausgeht. Weil eine 15/3-Box in dieser Beziehung größere Reserven hat als eine Lautsprecherbox mit 12″-Bestückung, darf man also erwarten, dass die 15″-Variante das Publikum über eine größere Distanz in akzeptabler Qualität mit ausreichend Pegel versorgen kann als eine 12/2-Box.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test Seite 2: Praxistest, der Einsatz als Monitor und das Fazit!