Das neue Bose ShowMatch DeltaQ-Array

Das neue Bose ShowMatch DeltaQ-Array bietet Raumanpassung und mobilen Einsatz. Jetzt wurde es erstmals im Offenbacher Capitol-Theater vorgestellt.

Am 27. und 28. September stellte Bose in Deutschland erstmalig das neue ShowMatch-System im Rahmen einer Präsentation im Offenbacher Capitol-Theater vor, zu der neben der Fachpresse auch Planer und Live-Sound-Fachleute geladen waren.

Bose ShowMatch DeltaQ-Array

Das neue ShowMatch-System ist im Prinzip eine logische Fortsetzung des bekannten RoomMatch-Konzeptes mit dem Ziel, ein Lautsprechersystem zu schaffen, das auch für den mobilen Einsatz geeignet ist, und auch dort die systembedingten Vorteile ausspielen kann. Dabei herausgekommen ist ein Lautsprechersystem, dass sich dank seines äußeren Erscheinungsbildes gut in die verschiedensten Umgebungen einfügt – sei es in Festinstallationen oder im mobilen Einsatz – und im mobilen Betrieb ein ähnliches Handling bietet wie klassische Line-Array-Systeme.

Die akustischen Vorteile der vom Bose RoomMatch-System bekannten „Progressive Directivity Array“ Technologie bleiben dabei weitestgehend erhalten, so dass das neue Bose Beschallungssystem in akustischer Hinsicht einige Vorteile gegenüber klassischen Line-Array Systemen ins Feld führen kann.

Kurz zur Erinnerung

Der Grundgedanke bei einem Bose RoomMatch System besteht ja in der Umsetzung der Erkenntnis, dass man – je nachdem, wie die Publikumsflächen geformt und wie sie in Bezug zum Lautsprechersystem im Raum angeordnet sind, ein im allgemeinen asymmetrisches und mehr oder weniger komplex geformtes Abstrahlverhalten benötigen wird, um die Hörerflächen gleichmäßig mit Schall zu versorgen.

Ein solches ideales Abstrahlverhalten des Lautsprechersystems wird man nicht auf eine einfache Abstrahlcharakteristik zurückführen können, die man mit traditionellen Angaben, wie etwa 60° x 40°, beschreiben kann. Vielmehr wird man für Flächen, die weiter vom Lautsprecher entfernt liegen, eher eine Long-Throw-Charakteristik, also einen schmaleren horizontalen Abstrahlwinkel benötigen, während der Lautsprecher für die näher gelegenen Bereiche eher bereit abstrahlen muss.

Grundgedanke des Bose DeltaQ-Konzeptes
Grundgedanke des DeltaQ-Konzeptes: Die Versorgung der näher zum bzw. weiter vom Lautsprecher gelegenen Publikumsbereiche erfordert jeweils unterschiedliches horizontaes und vertikales Abstrahlverhalten, das man mit einem DeltaQ-Array sehr fein anpassen kann.

Die nebenstehende Grafik zeigt das Prinzip: Im Grunde benötigt man ein Lautsprechersystem, dessen Komponenten jeweils ein anderes Richtverhalten aufweisen, je nachdem, wie weit die Hörerfläche vom Lautsprecher entfernt und wie sie geformt ist – also, welchen horizontalen und vertikalen Winkel sie aus der Sicht des Lautsprechers einnimmt. Ein Lautsprechersystem, das diese Anforderungen berücksichtigt, muss also aus Lautsprecherkomponenten zusammengesetzt sein, die jeweils ein unterschiedliches, der jeweiligen Hörerfläche angepasstes Richtverhalten aufweisen. Ein Array aus solchen Lautsprecherkomponenten nennt Bose ein DeltaQ-Array, nach dem international gebräuchlichen Kenngröße Q für den Richtfaktor eines Lautsprechers.

ShowMatch-Array mit geflogenem Subbass
ShowMatch-Array mit geflogenem Subbass

Doch kurz zurück zum Bose RoomMatch-System: Dieses stellt ja eine Art Baukastensystem dar, mit dem man ein Lautsprechersystem zusammenstellen kann, dessen horizontale und vertikale Abstrahlcharakteristik genau auf die zu beschallenden Flächen abstimmbar ist.

Kernelement der dort eingesetzten „Progressive Directivity Array“-Technologie ist der Continuous Arc Diffraction Slot (CADS), zu deutsch etwa „kontinuierlicher bogenförmiger Beugungsspalt“.

Dieser Beugungsspalt ist über seine gesamte Länge mit rechteckigen Schallaustrittsöffnungen belegt, die jeweils von einem Hochleistungs-Kompressionstreiber angetrieben werden.

Prinzipieller Aufbau eines ShowMatch-Arrays
Prinzipieller Aufbau eines ShowMatch-Arrays aus Arrayelementen, die jeweils unterschiedliches vertikales und horizontales Abstrahlverhalten aufweisen. Dies wird mit der Wahl des Basiselements und der passenden Hornkontur konfiguriert.

Er wirkt also wie eine kontinuierliche Schallquelle, deren Krümmung bestimmt, wie viel Schallenergie in einem bestimmten vertikalen Winkelbereich abgestrahlt wird. Diese gekrümmte Linienschallquelle strahlt beim RoomMatch-System in ein Horn, dessen Flanken das horizontale Abstrahlverhalten definieren.

Um nun beim Aufbau des Lautsprechersystems vorgeben zu können, wie viel Schallenergie jeweils in einen vertikalen beziehungsweise horizontalen Winkelbereich abgestrahlt wird, teilt man den bogenförmigen Beugungsspalt in Kreisbogensegmente auf, die jeweils eine vorgegebene, konstante Krümmung aufweisen und entsprechend dem Hornöffnungswinkel definiert horizontal abstrahlen.

Eine solche Einheit wird jeweils in einem Array-Element verpackt, so dass man durch Aneinanderreihen von Arrayelementen mit der jeweils benötigten vertikalen und horizontalen Abstrahlcharakteristik das gewünschte Abstrahlverhalten stückweise zusammensetzen kann. Beim RoomMatch-Systemen sind die Hornöffnungen relativ breit (bis zu 18″), so dass sie eine definierte Abstrahlkontrolle bereits ab 750Hz gewährleisten können.

Bose ShowMatch Arrayelement
Bose ShowMatch Arrayelement (oben) mit zwei unterschiedlichen Sätzen von austauschbaren Hornkonturen für den Mittelhochtonbereich (unten)

Um das benötigte, im allgemeinen asymmetrische, Abstrahlverhalten eines solchen Lautsprecherarrays genau auf den Raum beziehungsweise die Hörerflächenverteilung im Raum anpassen zu können, ist eine relativ große Auswahl – auch asymmetrisch strahlender – Array-Elemente mit unterschiedlichen horizontalen und vertikalen Abstrahlwinkeln erforderlich. Darüber hinaus sind die Array-Elemente wegen der großen Hornöffnungen, die man zur präzisen Abstrahlkontrolle benötigt, relativ groß.

ShowMatch-Systemkomponenten
ShowMatch-Systemkomponenten: drei Arrayelemente und ein Subbass

In einer Festinstallation ist das normalerweise kein ernsthaftes Problem, weil man die Lautsprecherkonfiguration ja einmal auf den Raum angepasst zusammenstellt und dann im Normalfall nicht mehr verändert.

Aufbau des Mittelhochtonsystems
Aufbau des Mittelhochtonsystems der neuen ShowMatch-Arrayelemente

Für den mobilen Einsatz ist der Aufwand normalerweise zu hoch, weil man in der Regel nicht so viele Array-Elemente bevorraten kann oder will, wie man sie zur Anpassung des Arrays an die unterschiedlichen räumlichen und akustischen Gegebenheiten verschiedener Hallen oder sonstiger Veranstaltungsstätten benötigen würde.

Das würde dazu führen, dass man vermutlich ein Mehrfaches an Array-Elementen am Lager halten müsste, als man im Schnitt für den regelmäßigen Einsatz tatsächlich braucht, und das würde natürlich dem Idealzustand zuwiderlaufen, bei dem das Vermietlager im Idealfall leer ist und alle Lautsprecher im Einsatz sind und Geld verdienen können.

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