Die LEaT con 2026 öffnet am Dienstag, den 6.10., ihre Pforten – der Veranstaltungsort ist wieder die Messe Hamburg. Wir hatten kurz vor dem Start noch die Gelegenheit, Marcel Courth, Managing Director leat, bei der Ebner Media Group, einige Fragen zu Neuerungen zu stellen, die wir für die diesjährige Veranstaltung erwarten können.

PROSOUND: LEaT soll ab 2026 als „horizontale Plattform“ für bislang getrennte Technologiewelten funktionieren. Was ist der strategische Gedanke hinter diesem Schritt – und was wird sich dadurch für Aussteller und Besucher verändern?

Marcel Courth: Die Technologien wachsen seit Jahren zusammen, die Branche selbst denkt aber oft noch zu sehr in getrennten Welten. LED, IP-Netzwerke, Streaming, Remote Production und inzwischen KI stecken heute im Live-Event genauso wie im Konferenzraum, im Theater oder im Studio. Für uns war die Frage deshalb nicht, ob wir das zusammenbringen, sondern wann. Unsere eigenen Zahlen haben die Antwort geliefert: Rund zwei Drittel unserer Besucher bewegen sich auf der LEaT con ohnehin in mehreren Bereichen.

Für Aussteller heißt das: Sie erreichen an einem Ort nicht nur ihre Stammkunden, sondern auch die angrenzenden Zielgruppen, die für ihr Geschäft immer wichtiger werden. Für Besucher heißt es: ein Ticket, eine Plattform, klare Orientierung und trotzdem die Möglichkeit, bewusst über den eigenen Tellerrand zu schauen.

PROSOUND: Live Tech, Stage Tech, Broadcast, Install und Communicate werden als gleichberechtigte Hubs angesehen. Werden sich daraus neue Verbindungen zwischen den Gewerken ergeben anstelle von einfach fünf Bereichen unter einem gemeinsamen Dach?

Marcel Courth: Genau darum geht es uns. Die Hubs sind Orientierung, keine Zäune. Die spannenden Dinge passieren an den Übergängen. Die LED-Wall wandert vom Festival in den Firmensitz. Remote Production und Streaming sind bei Live-Events längst Alltag. Ein moderner Meetingraum ist zum größten Teil ein AV-Projekt, bei dem Integratoren und IT-Häuser zusammenarbeiten müssen.

Wir stellen die Bereiche deshalb nicht nur nebeneinander, wir bringen sie aktiv zusammen. Das passiert im Programm, wenn Leute aus unterschiedlichen Gewerken gemeinsam auf der Bühne stehen. Das passiert in unseren Community Talks, wo der Austausch auf Augenhöhe im Mittelpunkt steht. Und mit dem AI Matchmaking zwischen Besuchern und Ausstellern sorgen wir dafür, dass die richtigen Gespräche nicht vom Zufall abhängen. Themen wie KI oder Connectivity ziehen sich zudem durch alle Hubs. Sie betreffen am Ende jeden.

PROSOUND: Mit dem Rebranding verschwinden bisherige Sub-Brands wie die AVcon zugunsten der neuen LEaT-Struktur. Ich verstehe das so, dass z.B. die AVcon gerade nicht als eigenständige oder gar separate Teilmesse verstanden werden soll. Was tritt bei dem Rebranding also bewusst in den Hintergrund und was wird übernommen – und welche neuen Zielgruppen und/oder Themen sollen dadurch erschlossen werden?

Marcel Courth: Ja, das hast du richtig verstanden. Die AVcon wird keine eigene Messe in der Messe mehr sein, sie geht im Hub Install auf. Was dabei bewusst in den Hintergrund tritt, ist die Logik vieler einzelner Marken. Mehrere Namen, mehrere Auftritte und am Ende die Frage: „Was ist denn jetzt LEaT, was ist AVcon, und wo muss ich eigentlich hin?“ Das hat mehr erklärt als verbunden.

Übernommen wird alles, was die Formate stark gemacht hat: die Inhalte, die Communities, die fachliche Tiefe in jedem Bereich und natürlich die DNA der LEaT con, also hands-on, nahbar, ein bisschen Rock’n’Roll. Der NEO Summit bleibt übrigens bewusst eigenständig, weil er als hochwertiges Konferenzformat anders funktioniert.

Neu hinzu kommen vor allem die Bühnen- und Theatertechnik, die 2026 eine eigene Halle bekommt, und über Install und Communicate stärker die IT-Systemhäuser sowie die Unternehmen, die solche Räume planen und betreiben. Dazu wollen wir internationaler werden. Eine starke Marke trägt da einfach weiter als mehrere kleine.

PROSOUND: KI wird 2026 sowohl im LEaT con-Programm als auch mit dem eigenständigen NEO summit prominent behandelt. Dabei geht es nicht nur um Anwendungen, sondern auch um Arbeitsweisen, Kompetenzen, Geschäftsmodelle und die Rolle des Menschen. Welche Veränderungen erwartet Ihr hier für die Eventbranche?

Marcel Courth: Viele warten gefühlt auf den einen großen Moment, in dem KI alles umkrempelt. Meine Erfahrung ist: So läuft das nie. Solche Themen ziehen schleichend ein, und plötzlich merkt man, dass sie längst Teil des Alltags sind. Das gilt bei uns intern genauso wie in den Märkten und Technologien. Kameratracking, automatische Übersetzung, Transkription, Content-Produktion oder Planung: Vieles davon ist in den Workflows schon angekommen, ohne dass es groß angekündigt wurde. Agents und Physical AI werden sicher noch größere Umwälzungen mit sich bringen, als wir sie heute im Alltag erleben.

Was sich dadurch verändert, sind vor allem die Arbeitsweisen und Kompetenzen. Routine wird weniger, gestalten, kuratieren und Verantwortung übernehmen werden wichtiger. Gefragt sind Leute, die über ihr eigenes Gewerk hinausdenken und AV, IT, Content und KI zusammenbringen. Bei den Geschäftsmodellen verschiebt sich der Wert. Reiner Content wird austauschbar, wenn ihn eine Maschine in Sekunden produziert. Das Erlebnis, die Kuratierung und das Vertrauen zwischen Menschen sind es nicht.

Darum glaube ich fest daran: Je mehr KI, desto Mensch. Persönliche Begegnung wird nicht unwichtiger, sie wird wertvoller. Für die Eventbranche ist das eine riesige Chance, wenn wir sie nutzen.

PROSOUND: „Ignite. Together.“ Was bedeutet das konkret? Die LEaT con versteht sich, wie ich es lese und bisher erlebt habe, zunehmend als Ort von Begegnung, Wissenstransfer und branchenübergreifendem Austausch. Woran werden die Besucher 2026 erkennen, dass die neue Plattform mehr ist als eine größere Messe mit zusätzlichen Themen und Ausstellungsflächen?

Marcel Courth: Die LEaT con ist mit ihrer Branche gewachsen, nicht an ihr vorbei. Wir sind dort größer geworden, wo die Branche zusammengewachsen ist, und genau so wollen wir uns auch weiterentwickeln. Wachstum ist für uns kein Selbstzweck. Entscheidend ist, dass Aussteller und Besucher wiederkommen, weil sie hier etwas mitnehmen, und das tun sie heute schon in sehr hohem Maß.

Dafür steht „Ignite. Together.“ Es geht ums Funkenschlagen: neue Ideen, neue Projekte, neue Partnerschaften. Und das gelingt nur gemeinsam, über die Gewerke hinweg. Gleichzeitig zeigt der Claim, worum es auf der leat con eigentlich geht. Es geht um Menschen, die sich begegnen, voneinander lernen und gemeinsam etwas bewegen. Wer 2026 durch die Hallen geht, durch die Community Talks oder abends in die Gespräche danach, wird das spüren, hoffe ich.

PROSOUND: Danke Marcel, dass Du Dir so kurzfristig noch Zeit für unsere Fragen genommen hast!

Marcel Courth