Westlab LABTOP fiteenthree p Test – Im Praxistest

Die neue Halle, die Westlab in Schwerte für Vorführzwecke zur Verfügung hat, ist ausreichend groß, also können wir das einfach durch Abschreiten der Hörfläche herausfinden. Beim ersten Hören stellt sich erst einmal heraus, dass die Westlab LABTOP fifteenthree p auch mit komplexen Signalen sehr gut zurechtkommt. Das hängt sicher auch an dem koaxialen 2-Weg Mittelhochton-Hornsystem, das gerade nicht eine einzelne Treibermembran gleichzeitig mit Mitten- und Hochtonsignalen quält. Allein durch diese konstruktive Maßnahme spielt das ganze System wesentlich entspannter und differenzierter, wie man es allerdings von einem Lautsprecher dieses Qualitätsniveaus auch erwarten kann.

Auch unsere Erwartungen bezüglich der beschallbaren Distanz werden bestätigt. In einem Abstand, bei der eine allein betriebene 12/2-Box bassmäßig an ihre Grenzen kommen würde, liefert die Westlab LABTOP fifteenthree p auch im Bass noch eine bequem ausreichende Versorgung. Tatsächlich hat das System sogar noch Reserven im Bass, so dass man hier bei Bedarf auch noch gefühlvoll mit dem Equalizer etwas anheben kann. Eine Rückfrage beim Entwickler ergibt, dass die Bassreflexabstimmung so ausgelegt wurde, dass sie im Bereich der unteren Grenzfrequenz relativ flach verläuft und durch den langen Hub des 15-Zöllers noch Reserven für eine Anhebung bereit hält.

Das kann etwa – mit der Monitoranwendung im Hinterkopf – im Bereich um 65 Hz erfolgen, in dem sich der Bassdrum-Kick abspielt. Bei Aufhängung der Box in einer Kante oder Ecke des Raums kann man aber auch unterhalb dieser Frequenz noch boosten und kommt für manche Zwecke dann ohne Subbass aus, ohne klanglich auf viel verzichten zu müssen.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test: Der Aufbau in der Vorführhalle.
Westlab LABTOP fifteenthree p Test: Der Aufbau in der Vorführhalle.

In Bezug auf den horizontalen Abstrahlwinkel ist die Westlab LABTOP fifteenthree p hörmäßig einwandfrei – der Sound ist ok, bis man an einem Winkel angekommen ist, aus dem man sozusagen an den Hornflanken entlang auf die Treiberöffnung schaut, sich also im Grenzbereich des Nenn-Abstrahlwinkels befindet.

Aus der Perspektive typischer Anwendungen betrachtet, könnte man vielleicht sagen, dass die Westlab LABTOP fifteenthree p in der Abstufung der Größenkategorien „Club–Saal–Halle“ in die Anfangsbereiche der Kategorie Saal vorstößt, während die klassische 12/2-Box eine reine Clubbox ist.

Was die Anwendungen ohne Subbasseinsatz betrifft, ist es wohl, wie uns Dietmar Bauer von Westlab beim Ortstermin mitteilte, tatsächlich so, dass es speziell im asiatischen Markt Kunden gibt, die genau so eine Box brauchen und gleichzeitig auf höchste Klangqualität und „Made in Germany“ setzen. So gibt es beispielsweise Karaoke-Bars, die – höchstwahrscheinlich aus Immissionsschutzgründen – unterhalb einer bestimmten Mindestgröße keine separaten Subwoofer einsetzen dürfen, welche eventuell für die benötigte Musikbegleitung auch gar nicht unbedingt erforderlich wären.

Solche Gastronomiebetriebe sind zwar räumlich klein, so dass die Distanz zum Lautsprecher weniger eine Rolle spielt. Sie sind aber durch ihren durch das Publikum verursachten Nebengeräuschpegel sehr laut, so dass sie trotzdem ein Hochleistungsbeschallungssystem brauchen, damit die Musikbegleitung nicht untergeht.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test: Ergebnisse der Frequenzgangmessungen bei verschiedenen horizontalen Abstrahlwinkeln (weiß: 0°, gelb: 15°, rot: 25°, violett: 30°, hellblau 45°): Die Messungen bestätigen den Höreindruck. Innerhalb des Nenn-Abstrahlwinkels bleibt der Frequenzgang linear, auch der Pegel ändert sich nur wenig. In der Nähe des Grenzbereichs und beim Überschreiten des Nenn-Abstrahlwinkels fällt der Pegel erwünschtermaßen schneller ab - die Box strahlt also sehr definiert ab. Insbesondere ist gar kein Bündelungsverhalten des Tieftöners in der Nähe der Übernahmefrequenz zu erkennen. Dieser Bereich stellt sich ausgesprochen unspektakulär dar. Dieses extrem gutmütige Verhalten spiegelt sich auch auf der klanglichen Seite wider.
Westlab LABTOP fifteenthree p Test: Ergebnisse der Frequenzgangmessungen bei verschiedenen horizontalen Abstrahlwinkeln (weiß: 0°, gelb: 15°, rot: 25°, violett: 30°, hellblau 45°): Die Messungen bestätigen den Höreindruck. Innerhalb des Nenn-Abstrahlwinkels bleibt der Frequenzgang linear, auch der Pegel ändert sich nur wenig. In der Nähe des Grenzbereichs und beim Überschreiten des Nenn-Abstrahlwinkels fällt der Pegel erwünschtermaßen schneller ab – die Box strahlt also sehr definiert ab. Insbesondere ist gar kein Bündelungsverhalten des Tieftöners in der Nähe der Übernahmefrequenz zu erkennen. Dieser Bereich stellt sich ausgesprochen unspektakulär dar. Dieses extrem gutmütige Verhalten spiegelt sich auch auf der klanglichen Seite wider.

Man könnte sich natürlich auch hierzulande Anwendungen vorstellen, die eine kraftvolle Musikwiedergabe, aber nicht unbedingt eine erweiterte Basswiedergabe erfordern und deshalb ohne separate Subwoofer auskommen. Einfach Powermischer und zwei Passivboxen anschließen – fertig!

Ein weiterer Bereich, an den man im Zusammenhang mit Hochleistungs-Passivlautsprechern nicht sofort denkt, ist derjenige elektroakustischer Notfallwarnsysteme (ENS), bei denen heutzutage bereits Konzepte realisiert werden, die eine Hochleistungs-Eventbeschallung mit einer ohnehin benötigten Durchsageanlage verbinden, um eine Doppelausstattung mit Lautsprechern und Technik zu vermeiden. Da in diesem Umfeld in der Regel eine Lautsprecher- bzw. Linien- und Impedanzüberwachung zum Anforderungsprofil gehört, sind hier passive Lautsprechersysteme natürlich wesentlich unkomplizierter zu integrieren als Aktivsysteme, bei denen normalerweise nicht von vornherein klar ist, wie denn eine Überwachung der eingebauten Aktivelektronik überhaupt realisiert werden könnte und ob es da optional werksseitig angebotene Lösungen gibt.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test – Betrieb als Monitor

Eine ganz andere Anwendung ist der Betrieb als Monitor, für den die Westlab LABTOP fifteenthree p ausdrücklich auch geeignet ist und konzipiert wurde. Dabei liegt der Monitor normalerweise vor dem Sänger bzw. der Sängerin auf dem Boden, es geht also um Beschallungsdistanzen von maximal 2-3 Metern.

Reichweite ist also eher kein Problem, aber ein hoher Pegel ist trotzdem gefordert, weil auf der Bühne gleich nebenan der Schlagzeuger sitzt und ordentlich Schall erzeugt, und auch die Backline von Gitarren und Bass normalerweise nicht wirklich leise ist. Auch wenn man das alles auf der Bühne geschickt anordnen kann, so dass der Störschall etwas gemindert wird, geht es beim Monitor darum, dass man sich selber zuverlässig hören und beurteilen kann und nicht durch die anderen Instrumente daran gehindert wird  – und dafür ist ein hoher Output erforderlich.

Bei unserem Termin bei Westlab betreibe ich (Dirk Wedell) die Westlab LABTOP fifteenthree p also auch als einzelne Box als Monitor für Sprache und Gesang, und zwar mit einem sehr guten Kondensatormikrofon (DPA d:facto II, Test hier!), das sehr neutral ist und praktisch keinen eigenen klanglichen Charakter beisteuert.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test: Einsatz als Monitorbox.
Westlab LABTOP fifteenthree p Test: Einsatz als Monitorbox.

Das erste, was mir auffällt, ist einem Nicht-Sänger/Sängerin schwer zu erklären: Die Box umarmt oder umfängt einen mit einer angenehmen klanglichen Wärme. Sie umgibt einen wie in einer Umarmung mit einer Zone, in der man sich wohlfühlt, in der man eine gewisse Bewegungsfreiheit hat, und die einem beim Singen hilft. Sie unterstützt auch die Stimme in einer Weise, die nichts mit Atmung zu tun hat, sondern mehr damit, dass man sich sicher fühlt. Die Box hat in dem Frequenzbereich, in dem die Fülle und Wärme einer Stimme stattfindet – sagen wir, eher in den Tiefmitten – eine Charakteristik, die die eigene Stimme aus dem Monitorlautsprecher ein bisschen mehr so klingen lässt, wie man sie selbst von innen hört.

Das ist eigentlich mehr so ein Anklang dieses Eindrucks, aber diese Charakteristik bewirkt, dass man sich bei der Arbeit mit diesem Lautsprecher vertraut und sicher fühlt, und das ist bei einem Monitorlautsprecher sicher keine ganz unwichtige Eigenschaft. Man könnte sogar fast sagen, wenn sich der Sänger beziehungsweise die Sängerin mit dem Monitor wohl bzw. gut aufgehoben und sicher fühlt, kann und wird das auch die Qualität der Musik, die das Publikum über eine ganz andere Beschallungsanlage zu hören bekommt, deutlich verbessern, und zwar einfach dadurch, dass man dem Sänger bzw. der Sängerin eine angenehme Arbeitsumgebung verschafft hat.

Das ist ein Ziel, das man auch mit In-Ear-Monitoring nicht auf einfache Weise erreicht. In-Ear-Monitoring ist eine andere Arbeitsweise, mit der man die Umgebung bei Bedarf akustisch praktisch komplett ausblenden kann und dann im Monitormix sozusagen eine künstliche Umgebung schafft. Das funktioniert auch, und funktioniert auch gut, ist aber eben nicht dasselbe wie Monitoring mit Lautsprechern. Aus diesem Grund hat auch und gerade ein guter Monitorlautsprecher heutzutage seine Berechtigung. Wenn man die Westlab LABTOP fifteenthree p als Monitor einsetzt, kann man auch bei lautem Monitoring das Horn hören, ohne dass es in den Ohren beißt, d.h. es wird nur lauter, aber nicht aufdringlicher.

Westlab LABTOP fifteenthree p Test – Fazit

Unterm Strich kommt die neue Westlab LABTOP fifteenthree p auf der einen Seite wie ein alter Bekannter daher – eben wie eine 15/3, die man auch genau so einsetzen kann.

Auf der anderen Seite hat der neue Westlab Lautsprecher erheblich mehr Dampf, und das bei deutlich besserem Abstrahlverhalten. Das ist ein echtes Präzisions- und Hochleistungswerkzeug, und es vermittelt als Monitorlautsprecher sowohl Sicherheit, als auch auf eine eigene Art und Weise eine sehr angenehme Arbeitsumgebung. Die kann bewirken, dass indirekt auch die Qualität der Musik besser wird, einfach weil die Musiker sich gut und gut aufgehoben fühlen. Summa summarum: Daumen hoch!

Preis: 2.390,- zzgl. MwSt.