VIDA Sneak-Prelistening in Hannover

Das Versatile Intelligent Digital Array, kurz VIDA, ist ein innovationsgefördertes Projekt des bekannten Lautsprecherherstellers Kling & Freitag aus Hannover.

VIDA Sneak-PrelisteningDas Konzept dieses DSP-gesteuerten Linienstrahlers hatte man bereits auf der letzten Tonmeistertragung und den Frühjahrsmessen im vergangenen Jahr vorgestellt. Am 9. Dezember vergangenen Jahres war dann die Zeit für eine erste öffentliche Hörprobe gekommen, im Rahmen derer sich interessierte Planer und potentielle Kunden einen ersten Höreindruck von den neuen Lautsprechersystemen VIDA L und VIDA C verschaffen konnten. Es laufen noch einige Feldtests, die Finalisierung der Produkte steht aber unmittelbar bevor, so dass man auf die diesjährigen Frühjahrsmessen gespannt sein darf.

VIDA Sneak-Prelistening – Aufbau

Das SneakPreListening in Hannover hatte Kling & Freitag nach Art eines Workshops mit verschiedenen Stationen gestaltet, so dass die Interessenten ihren Aufenthalt entsprechend ihres Zeitbudgets selbst organisieren konnten.

Ort der Veranstaltung waren die Galerie und die Orangerie in den Herrenhäuser Gärten in Hannover – ein durchaus
hochkarätiges Ambiente, wie man auf den Fotos erkennen kann. Nicht für eine elektroakustische Versorgung gebaut, bieten die Räumlichkeiten aber auch einige Fallstricke für eine erfolgreiche Beschallung, weshalb sie für die VIDA-Präsentation besonders geeignet waren.

In der Galerie (Foto rechts) gab es Vorträge zum Konzept und konstruktiven Details der VIDA-Systeme sowie verschiedene Demo-Stationen, an denen sich Interessenten in kleineren Gruppen über Details wie beispielsweise das Rigging-Konzept oder die Software für Konfiguration und Betrieb informieren konnten. Die Vortragsveranstaltung wurde selbstverständlich auch mit VIDA-Systemen beschallt, und zwar mit je zwei Strahlern auf jeder Bühnenseite.

Eine weitere Station des Pre-Listening fand in der Orangerie statt, die mit einer zentralen Bühne und Tribünen mit ansteigender Bestuhlung auf zwei Seiten ausgestattet ist. Diese Location wird oft auch für Kleinkunstveranstaltungen eingesetzt und verfügt über ein festinstalliertes Line-Array-System von Kling & Freitag, das für die vorliegende
Veranstaltung natürlich nicht in Betrieb war.
VIDA Sneak-Prelistening in Hannover
VIDA im Detail
VIDA im Detail

Das musikalische Programm wurde von einem Solo-Künstler (Singer/Songwriter) mit Gesang und akustischer Gitarre bestritten – durchaus typisch also zum Beispiel für eine Kleinkunstbühne, Gastronomie mit akustischer Live-Musik oder einen Jazzclub. Beschallt wurde hier mit je einem VIDA-System plus drei Subbässen für jede Seite, wobei für die Veranstaltung nur eine der beiden Tribünen genutzt wurde (Foto unten).

Ein interessantes Detail bei dieser Konfiguration war, dass die Subbässe von der VIDA-internen Zusatzendstufe angetrieben wurden, für diesen Aufbau also keine zusätzlichen Endstufen zum Einsatz kommen mussten. Kleine bis mittelgroße Clubs kann man also durchaus mit „Bordmitteln“ des VIDA-Systems versorgen. Klanglich kam das bei der Vorführung sehr neutral und natürlich daher, insbesondere auch ohne Rückkopplungsneigung, selbst bei mehreren offenen Mikrofonen auf der Bühne.
Abb. 6
Das musikalische Programm mit Gesang und Gitarre.

VIDA Sneak-Prelistening – Systemaufbau

Sieht man ein VIDA-Lautsprechersystem das erste Mal in natura, kommt es einem im Vergleich zu anderen Beam-Steering-Linienstrahlern trotz der generell schlanken Anmutung relativ groß bzw. voluminös vor. Das hat durchaus seinen Grund: Während andere Systeme eher für eine Versorgung mit bestmöglicher Sprachwiedergabequalität optimiert sind, ist das VIDA-System zusätzlich konsequent auch auf eine volle Musiktauglichkeit hin entwickelt. Das bedeutet aber, dass die Entwickler sich nicht auf eine Bestückung mit Breitbandchassis, gegebenenfalls in Verbindung mit separaten Tweetern in einem 2-Weg-System beschränken konnten.

Abb. 7

Vielmehr handelt es sich bei VIDA um ein echtes 3-Weg-System mit voller Beam-Steering-Funktionalität. Wie die Fotos zeigen, wird der größte Teil des Volumens vom Bassreflexgehäuse der insgesamt 6,5″-Tieftöner beansprucht, vor denen noch einmal zwei Line-Arrays aus je 12x 3,5″-Mittelhochtontreibern bzw. 32x 1″-Kalottenhochtönern angeordnet sind.

Ein solcher Aufbau ist natürlich in akustischer Hinsicht nicht ganz unkritisch, weil die Entwickler dafür sorgen müssen, dass das Abstrahlverhalten der Tief- und Mitten-Line-Arrays nicht durch die jeweils davor liegende Arrayanordnung gestört wird. Für den Tieftonbereich ist das vermutlich noch relativ unkritisch, die 1″-Kalotten des Hochtonarrays sind aber dicht an dicht auf einem speziell entwickelten Waveguide angeordnet, der erstens nur eine geringe Abschattung der Mitten bewirkt und zusätzlich dafür sorgt, dass auch im Hochtonbereich der nominale horizontale Abstrahlwinkel von 90° eingehalten wird.

Abb. 8

Ebenfalls interessant ist das Konzept für den Tieftonweg, der sich nicht allein auf die sechs fest eingebauten 6,5-Zöller beschränkt. Die im System eingebaute DSP- und Endstufenelektronik bietet nämlich noch einen weiteren DSP- und Endstufenkanal, der für verschiedene Zwecke verwendet werden kann.

Einmal kann man hier – wie bereits zuvor erwähnt – externe Subbässe, zum Beispiel aus der PASSIO-Serie, anschließen, und benötigt so keine externe Endstufe. Darüber hinaus und mindestens ebenso interessant ist aber die Möglichkeit, das spezielle Tieftonmodul VIDA C hinten an die VIDA L anzudocken. Je nach Ansteuerung durch den DSP bringt dieses Modul entweder eine Erweiterung des Headrooms im Tieftonbereich oder aber – noch interessanter – die Möglichkeit, dem VIDA-Line-Array zusätzlich eine einstellbare Richtcharakteristik beim horizontalen Abstrahlverhalten mit auf den Weg zu geben.

Das funktioniert im Prinzip ganz ähnlich wie bei einem Studio-Kondensatormikrofon mit umschaltbarer Richtcharakteristik. Wir haben es auch hier mit zwei Wandlern zu tun, die mit (in Bezug zur Schallwellenlänge) geringem Abstand Rücken an Rücken montiert sind. Je nachdem wie das VIDA C Bassmodul nach Betrag und Phase angesteuert wird, ergeben sich auch hier Richtcharakteristiken wie Kugel, Niere und Superniere.

Abb. 9

Kugel bedeutet in diesem Fall, dass sich die Basis-Richtcharakteristik des Arrays in der Horizontalen nicht ändert, sondern das VICA C Modul mehr Headroom im Bass bringt. Niere und Superniere wird man dann einsetzen, wenn das VIDA-System zum Beispiel in der Nähe von reflektierenden Wandflächen eingesetzt werden soll, oder man verhindern will, dass ein zu großer Tieftonanteil zum Beispiel auf Mikrofone im Bühnenbereich überspricht.

Selbstverständlich kann man die VIDA-Systeme auch der Länge nach aneinanderreihen, um eine stärkere Richtwirkung (vor allem im Bass) beziehungsweise eine große Wurfweite zu erzielen. Zuständig für alle diese Konfigurationen ist die VIDA-Software, die auch in Echtzeit arbeitet.

Die VIDA-Software konfiguriert das Abstrahlverhalten des Systems und kann auch mehrere Beams erzeugen.
Die VIDA-Software konfiguriert das Abstrahlverhalten des Systems und kann auch mehrere Beams erzeugen.

Für die Outdoor-Vorführung rechts im Bild wurde ein Array aus zwei VIDA L mit je einem VIDA C Modul zur Bassunterstützung verwendet, das in Richtung eines Gartenwegs strahlte. Auf diese Weise kontte man bequem den Weg entlang gehen und sich über die sehr gute Tragweite des Systems freuen.

VIDA Sneak-Prelistening – Fazit

Insgesamt bot die Veranstaltung einen sehr interessanten Einblick in das neue VIDA-System von Kling & Freitag. Man darf also gespannt sein!