Betrieb, Sound

Wir haben das System so gehängt, dass es wegen der horizontalen Abstrahlung von 90° so eben an der Ecke des auf den Bildern sichtbaren Gebäudes vorbeistrahlt. Auf der anderen Seite ist nicht viel, was sich bemerkbar machen könnte. Das System hat in einer Art „Mädchen-Für-Alles“-Werkseinstellung gearbeitet und wir haben auch nicht an irgendwelchen Controllern herumgefummelt oder die Pegel der Endstufen verändert. Meine Gewohnheit ist, am Anfang einer Hörsitzung immer ganz bewusst den ersten Eindruck zu erleben und festzuhalten. Das habe ich natürlich auch hier getan. Und was habe ich von dem V20 gehört?

NICHTS!

Ich habe eigentlich von Anfang an vielleicht instinktiv auf „Musik“ umgeschaltet, und das Kriterium „Herkunft der Musik“ schlicht ignoriert. Ich weiß noch, dass ich direkt am Anfang zu mir selbst gesagt habe: Jetzt spinn´ mal hier nicht mit irgendwelchen Musikschwärmereien rum, sondern mach deinen Job und hör dir die Boxen an. Wozu ich aber eigentlich gar keine Lust hatte, denn die Musik war, so, wie ich sie hörte, einfach— unheimlich gut. Ich höre meine Musikbeispiele ja nun auch nicht jeden Tag in dieser Qualität, und wenn (zu Hause mit meinen Stage Accompany-Systemen) nicht laut. Und so habe ich erst einmal von den Boxen nichts mitgekriegt.

Frequenzgang-Kurve
Frequenzgang des im Einleitungsbild gezeigten 4er-Arrays, gemessen in vier verschiedenen Abstrahlrichtungen: 0°/auf Achse (weiß), 25° (gelb) und 50° (violett). Der Mitten- und der Hochtonbereich sind ausgesprochen linear und homogen – man bedenke zudem, dass hier z.B. im Hochtonbereich nicht weniger als insgesamt 12 Hochtontreiber und 24 Ringmembranen zusammenwirken.
Bassbereich-Kurve
Im Bassbereich war unser Test-Setup mit insgesamt drei Subbässen vom Typ S25 bestückt, die hier in einer Cardioid-Array-Konfiguration spielten. Der Gesamtfrequenzgang in 0°-Richtung ist sehr definiert und ausgewogen (weiße Kurve). Interessant ist die Messung auf der Rückseite des Arrays: Direkt hinter den Lautsprechern (180°, gelb) und auch seitlich um 0,5m versetzt im selben Abstand (violett) finden wir eine Dämpfung von mindestens 20dB bis deutlich mehr gegenüber der 0°-Richtung. Die genaue Lage der Maxima und Minima bei der Rückwärtsdämpfung hängt natürlich von der jeweiligen Position hinter dem Array ab.

Das für mich wichtigste Hörbeispiel ist das Lied „More“ von den „Sisters Of Mercy“. Da kommen durchgängig harte, metallische Schläge vor, die nicht nach Schlagzeug, sondern eher wie Hammer auf Amboss klingen. Am Anfang stehen diese Schläge isoliert da, aber im Verlauf des Stückes werden sie von Gesang und Gitarre überlagert. Allein für sich, also am Anfang, sind sie für Lautsprecher nicht wirklich leicht abzubilden. Die allermeisten Boxen weichen sie irgendwie auf, was mir immer sehr deutlich auffällt, da ich darauf trainiert bin. Wenn dann noch andere Kanäle, etwa Gesang oder Gitarre, dazu kommen, dann dominieren sie entweder und stören die Stimme oder sie werden noch weicher und verbinden sich mit den anderen Kanälen zu einem nicht gut durchhörbaren Gemisch. Das ist bei den allermeisten Lautsprechern der Fall.

Zu Hause, mit den Flachmembranhochtönern von Stage Accompany ist im Bereich dieser Hochtöner ab (ca. 1kHz) alles in Ordnung, nur können meine Tiefmitteltöner bei der hohen Auflösung der Höhen nicht mithalten. Auch gute Kopfhörer habe ich oft ausprobiert, auch und vor allem beim nächsten Hörbeispiel. Die übertragen zwar überragend genau und perfekt, aber das ist eine ganz andere Welt. Kopfhörer und Hochleistungs-PA kann man nun mal nicht vergleichen.

Bei diesem Line Array kommen diese Schläge erst einmal für sich selbst extrem genau und korrekt. Kommen die anderen Kanäle hinzu, dann bleiben sie, wie sie sind und Gesang und Gitarre bleiben aber auch, wie sie sind. Es gelingt ganz leicht, die Kanäle zu verfolgen, nichts wird überdeckt und nichts wird ineinander geschoben. Die Band bleibt als gestaffelte Ansammlung von Individuen erhalten. Insgesamt hatte ich vielleicht drei bis fünf Boxen im Test, die das können. Bei einem Line Array wie dem VTX V 20 kommt aber noch die erhebliche Lautstärke hinzu. Weiter ist mir noch etwas aufgefallen: Ich konnte innerhalb dieser Schläge nicht wirklich den Übergang zwischen Mitteltonbereich und Hochtonbereich feststellen. Die Schläge kamen in sich geschlossen, ohne in Einzelklangzonen zu zerfallen.

Wer das alles nachvollziehen will, sollte sich überlegen, dass ich mit diesem Lied seit langer Zeit höre und sehr genau weiß, auf was ich achten muss. Ich schätze mal, dass mit einmaligem Hören nicht viel zu erreichen ist. Das zweite Hörbeispiel ist die CD „Blue Trane“ von John Coltrane. Das Stück „Blue Trane“ und die ganze Platte ist in den 50ern aufgenommen und der gesamte Produktionsweg vom Schneidstichel bis zu den Mikrofonverstärkern bestand aus Röhrentechnik. Mit diesem Hörbeispiel ist es ganz einfach. Die Becken vom Schlagzeug müssen obenrum sehr fein und seidig wirken. Sie werden umso härter dargestellt, je schlechter die Lautsprecher sind. Sie werden auch bei nicht so guten Boxen mit steigender Lautstärke immer schlechter wiedergegeben und gehen bei bestimmten Systemen schon vor dem Limitereinsatz in ein fluktuierendes, kratziges Rauschen über. Dieser Test ist immer der einfachste, den es ist ein Go/NoGo-Test. Verändert sich was, ist schlecht, bleibt der Klang, ist gut. Hier war alles in Ordnung.

Wenn man die Bässe mal abschaltet, dann kann man auch sehr einfach die Anbindung der Tiefmitten an die oberen Bänder beurteilen. Aber auch hier kann ich keine Auffälligkeiten vermelden, alles spielt so, wie es soll, es gibt keinen Bruch zwischen den Bereichen, und auch keine sonstigen hörbaren Verfärbungen. Dasselbe gilt auch für den Subwooferbereich. Auch hier konnte man nichts anmerken, bis auf eine kleine Anekdote: Als ich die Coltrane-CD habe laufen lassen, waren beide JBL-Männer wohl erschrocken, denn sie dachten für einen Moment, dass der SUB-Weg irgendwie kaputtgegangen wäre. Da war aber nichts, der Bass dieser CD klingt wirklich nicht gut, aber, das ist die Aufnahme und nicht die Wiedergabe. Heute ist man kompromissbehaftete Bässe einfach nicht mehr gewohnt. Früher konnte man einen gestrichenen oder gezupften Kontrabass sehr wohl alleine für sich allein aufnehmen, aber im Bandkontext musste man erhebliche Kompromisse eingehen.