JBL Line-Array VTX V20

Das Line Array-Element V20 von JBL ist ein Dreiwegesystem mit zwei 10-Zöllern, vier 4-Zoll Mitteltönern und drei 1,5″-Treibern.

Die beiden 10er sitzen rechts und links von der Einkerbung. Die Wände der Einkerbung werden von den Abdeckungen der Mitteltonkonuslautsprecher gestaltet. Ganz mittig sitzt der Spalt, durch den drei Treiber ihren Sound herausschießen. Diese Treiber sind über eine Koppel-Schallführung an die Kerbe angeschlossen, die auch als Horn funktioniert. Insgesamt ist die Frontfläche komplett dicht mit Lautsprechern ausgefüllt. Das hilft natürlich bei der Errichtung der in Line Arrays geforderten zylindrischen Wellenfront. Um es vorweg zu nehmen, ist die Frontseite des Line Array Elements aus Aluminium. Hätte man es bei Holz belassen, wäre einfach zu wenig Material vorhanden, um die Stabilität von Touring-Equipment zu gewährleisten. Außerden wird vielleicht über das Alu im entscheidenden Moment noch das allerletzte Quäntchen Wärme abgeführt.

Das Line Array im TestDas Dreiwegesystem läuft in zwei Betriebsweisen. Einmal mit einer aktiven Trennung zwischen den 10ern und dem Rest, und einer passiven Weiche zwischen den Mitteltönern und den Treibern. Aber es ist auch möglich, das System Dreiweg-Aktiv zu betreiben, und in diesem Modus haben wir das System auch hier gehört. Zurück in die Mitte. Die drei Treiber sind an ein Waveguide angekoppelt. Es führt die Schallenergie der Treiber auf verschieden langen Wegen auf 12 Schallaustrittsöffnungen.

Auf diese Weise erreicht der Schall bei jeder Frequenz die Front dieses Waveguides gleichzeitig. Diese Tatsache ist eine ganz wichtige Voraussetzung für die Erzeugung einer zylindrischen Wellenfront. Ohne diese kohärente Schallabstrahlung würde die Schallabstrahlung anstelle einer Hauptkeule unausweichlich in sehr viele einzelne Lobes (Einzelkeulen) zerfallen, auch ein Curving wäre so nicht möglich. Der Waveguide ist aus Aluminium gefertigt, was auch die Wärmeableitung der Treiber unterstützt. Die Treiber selbst haben aber auch großzügig dimensionierte Kühlrippen.

Die Treiber arbeiten – mit Ringmembranen und zwei Schwingspulen/Membran-Magnet-Anordnungen. Die beiden Membranen sind sehr leicht, gemessen an einer herkömmlichen Treibermembran, was die obere Grenzfrequenz (mass breakup frequency) der Membran nach oben verlagert, so dass die Treiber – und das ist hier wesentlich – nicht zwangsläufig eine oder mehrere Oberschwingungen der Membran nutzen müssen, um die gewünschte obere Nutzfrequenz zu erreichen. Auch der sehr kurze Weg des Antriebsimpulses von der Schwingspule bis zum Rand der Membran ist wichtig, weil er unerwünschte Schallausbreitung entlang der Membranfläche vermeidet Die beiden Membranen bilden eine Art Push/Pull System. Ringförmige Membranen haben generell grosse Vorteile bei Partialschwingungen, weil der Weg von der Schwingspule bis zum Membranrand extrem kurz ist.

Das hat JBL übrigens schon in den 70ern und 80ern mit dem Bulletradiator und dem Schlitzstrahler gewusst. Die von der Schallwand gebildete Hornkontur ist durch die Austrittsöffnungen der Mitteltöner unterbrochen. Wer glaubt, dass die schräge Anordnung der Öffnungen Dekoration ist, irrt. Nur so lassen sich Regelmäßigkeiten vermeiden, die sich in der Hornfunktion als Resonanzen wiederspiegeln würden. Die Mitteltöner sind, wie im übrigen alle hier versammelten Wandler, mit Neodym- Magneten ausgestattet. Diese sind für Nd-Magneten auffällig groß. Auch hier sehe ich, dass die Line-Array-Technik ganz neue Ansätze in der Entwicklung von kleinen Konuslautsprechern bewirkt hat.

Die Mitteltöner sind im Datenblatt mit einer Belastbarkeit von jeweils 200W angegeben. Die beiden 10″-Bässe sind nun auch keine Allerweltslautsprecher, sie müssen eine extrem hohe lineare Auslenkung bereitstellen, was durch die patentierte „Differential Dual Drive“ Doppel-Schwingspulen und Doppelluftspaltsystem ermöglicht wird. Alle diese Lautsprecher erzeugen Wärme, die irgendwie nach draussen muss. Die Frontseite ist, wie erwähnt, aus Aluminium, das mit seiner guten Wärmeleitfähigkeit die Wärme nach aussen abführen hilft. Holz hätte nicht funktioniert, weil es keine Wärme ableiten kann und weil es wegen der sehr kleinteiligen Strukturierung der Front erhebliche mechanische Schwachstellen gegeben hätte.

Aus allen diesen Konstruktionsmerkmalen wird deutlich, dass die Funktion als Line Array über allen anderen Entwicklungszielen stand und dass eben erst durch eine genau auf die zylindrische Wellenfront gezielte Lautsprecheranordnung die Grundlage dieser Wellenausbreitung geschaffen wird. Eine Parallele zu dieser mechanischen Feinabstimmung ist der Mikrofonbau. Praktisch alle heutigen Mikrofonkapseln der bekannten Markenfi rmen sind sehr hochwertig. Aber die eigentliche Arbeit bei der Entwicklung des neuen Mikros ist die Feinabstimmung der umgebenden Mechanik. Bei Lautsprechern könnte man sagen: Mechanik hin und her, wir können ja hinterher alles mit dem Controller ausbügeln. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: Eine perfekte Mechanik gibt dem Controller überhaupt erst seine Chance.