Wir testen das L-RAY/2000 von IMG Stage Line.

Wir testen das neue Lautsprechersystem L-RAY/2000 von IMG Stage Line.

Bevor es losgeht, möchte ich klarstellen, dass ich dieses System so nehme, wie ich es höre und sehe und überhaupt, wie es vor mir steht. Dieser Artikel geht ja mit einem seltsam kryptischen Satz los! Das hat meiner Meinung aber auch seine Berechtigung, denn wenn ich nicht von dem ausginge, was da vor mir steht, sondern von dem Namen (L-RAY) und der Einordnung des Systems unter „Line Array“ im Katalog, in der Bedienungsanleitung und auch in der Werbung, dann würde ich einfach sagen, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden.

Daher zur Beseitigung jeder Unklarheit: Das IMG Stage Line L-RAY/2000 ist definitiv kein Line Array.

Das wusste ich schon lange, weil ich den Vorgänger, das LRay/ 1000 vor ein paar Jahren im Test hatte. Damals wurde mir auch ganz klar gesagt, dass es sich um eine weiterentwickelte Lautsprechersäule handelt, nicht aber um ein Line Array. Aber auch damals habe ich im Testbericht bemängelt, dass überall das Wort „Line Array“ auftaucht. Genau wie jetzt auch. Um sich von den Line Arrays und den aus der Kirchenbeschallung bekannten Säulen abzugrenzen, benutzt man allgemein das Wort „Linienstrahler“ für solche Systeme. Aber, ich habe auch jetzt wieder gefragt, und man hat mir klipp und klar gesagt, dass es kein Line Array ist.

So. Jetzt ist aber Feierabend mit Namen und Kategorien, denn ich finde hier ein funktionierendes System mit Nutzwert vor und muss es so darstellen, dass der Leser sich selbst Gedanken machen kann, ob das L-RAY/2000 seinen Anforderungen (und wichtig, wichtig, seinen Finanzkräften) genügen kann. Und wenn ein System irgendwo installiert ist und genau das tut, was es soll, dann interessieren mich und wohl auch die Anwender die Worthülsen nicht mehr.

Das L-RAY/2000

IMG Stage Line L-RAY/2000
IMG Stage Line L-RAY/2000 bestehend aus einem Doppelbass-Modul mit DSP-gesteuertem 2- Wege-Aktiv-Modul und vier Mittelhochtoneinheiten. Hier ist also die Basiseinheit zu sehen.

Die Grundausstattung besteht aus einer Bassbox und vier flachen Elementen. Das Cradle (Montagerahmen) gehört auch dazu, ebenso die kurzen Kabel, die die einzelnen Boxen untereinander verbinden. Die Einheit sieht man gehängt auf den Bildern und auch auf dem Wagen liegend. Der ist allerdings noch in der Pipeline, könnte aber bald zum Zubehör des Systems gehören. Man kann, wenn die Deckenhöhe problematisch sein sollte, die vier Mittelhochton- Elemente auch direkt an das Cradle hängen und die Bassboxen auf dem Fußboden unterbringen. Das System arbeitet aktiv. Die gesamte Elektronik befindet sich in der 2×12″- Bassbox und besteht hauptsächlich aus einem Controller und zwei Endstufen. Beim Testtermin haben wir allerdings noch weitergehende Versuche mit den sechs auf den Bildern sichtbaren Bässen gemacht, die sind aber eine Ergänzung zum System und gehören nicht dazu.

Die Einheit L-RAY/200 besteht aus einer Doppel-12″-Bassbox und den vier scheibenförmigen Elementen. Zusammen ergibt das eine Einheit wie eine Einzelbox, die selbst auch Bässe kann, die aber im Hochleistungsbetrieb mit externen Sub-s unterstützt wird. Also eine ganz normale Konfi guration, die auch als Preset im Controller steckt. Die Bassbox ist mit zwei 12″-Tieftönern bestückt. Um zu einem sauberen Übergang zu den Topteilen zu gelangen, ist man auf eine elegante Lösung gekommen.

Die je 3 Stück 6,5″-Konuslautsprecher in den Einzelelementen setzen sich folgendermaßen zusammen: Jeweils zwei sind Tiefmitteltöner, und der Einzellautsprecher ist der Mitteltöner. Die Einheit hat also insgesamt acht Tiefmitteltöner und vier Mitteltöner. Da der Tiefmitteltonbereich sehr leistungshungrig ist, hat man so durch die große Anzahl der Chassis gute Karten. Die beiden verschiedenen Komponenten Tiefmittel- und Mitteltöner sind passiv voneinander getrennt. Das unterstreicht auch den Säulencharakter des gesamten Hochmitteltonsystems, denn so liegen nicht vier Elemente (3 x Mittelton+1 x Hoc htöner) nebeneinander, sondern nur der Mitteltöner mit seinem Hochtöner. Die Säule bleibt also in vertikaler Richtung schlank.

Wie steht es mit den Interferenzen zwischen dem Tiefmitteltöner und dem Hochtöner? Die sind grundsätzlich vorhanden. Aber Erfahrungen aus vielen solchen Systemen, die es seit ca. den 70er Jahren gibt, haben gezeigt, dass wegen der großen Wellenlängen keine Effekte zu erwarten sind, die den Gesamtklang entstellen könnten. Im Gegenteil, die immerhin vorhandene Säule, die allerdings gegen die Wellenlänge gerechnet, ziemlich kurz ausfällt, gibt eine Tendenz der Tiefmitteltonsektion zu breiterer horizontaler und engerer vertikaler Abstrahlung vor. Also das, was man haben will. Die Höhen mit ihren hohen Frequenzen sind sowieso rein aus geometrischen Gründen sehr stark vertikal gebündelt. Die Flachmembranhochtöner oder Hochtonmagnetostaten werden mittels eines Waveguide an die Umgebung gekoppelt. Das erhöht den Wirkungsgrad und die gewünschte Richtwirkung wird unterstützt. Auch wird die Ankopplung der einzelnen Elemente im Hochtonbereich verbessert.

Mechanik und Rigging

L-RAY/2000Die insgesamt fünf Holzgehäuse bestehen aus kräftigem Sperrholz. Die Gitter sind nicht nur wegen der Materialstärke, sondern auch wegen der geringen Höhe sehr stabil. Das Gitter der Bassbox ist in der Mitte abgestützt. Und die Lackierung ist der IMG-Stage Line übliche Strukturlack, der auch den allgemeinen Anforderungen entspricht. Die Boxen sind also in sich kräftige Kerlchen. Das spielt aber unter dem Rigging Gesichtspunkt keine Rolle. Hier zählt etwas anderes: Die Boxen haben mit den durch das Rigging verursachten Zug-, Hänge- und Gewichtsbelastungen nichts zu tun. Vom Montagerahmen abwärts hängt immer nur Stahl an Stahl, und in dieses Riggingsystem sind einzelne Boxen, die belastungsmäßig nichts miteinander zu tun haben, eingefügt. Dieser Satz muss grundsätzlich für alles gelten, was über Kopf hängt, von ganz kleinen Sets mal abgesehen. Der Satz ist hier erfüllt.

Ein zweiter Satz muss auch immer gelten: Alles, was zum Riggen und Curven gebraucht wird, muss am System, unverlierbar befestigt sein. Hat man das System, dann hat man auch alle benötigten Hilfseinzelteile. Es darf nicht passieren, dass es wegen eines Pins Zeitverzögerungen oder Schlimmeres gibt. Dieser Satz ist hier auch erfüllt.

Zum Riggen werden „Quick Release Pins“, die wir eigentlich alle kennen, benutzt, und die sind an dem System befestigt. Die Elemente haben hinten eine Lasche in einem Doppelwinkel. Diese Lasche wird in die Doppelschiene des nächsten Elements gesteckt und mit dem Pin befestigt. Man hat 9 verschiedene Winkel zur Auswahl und der jeweils gesteckte Winkel zeigt sich an einer Nase, die ein wenig nach hinten herausragt. Steht diese Nase auf der 5, dann strahlt dieses Element um 5° gegenüber dem nächsten ab. Die Materialstärke der gesamten Stahl-Konstruktion ist bei Weitem angemessen und entspricht den internationalen Gepfl ogenheiten. Die Mechanik ist sehr gut dimensioniert und muss vom Tester auch so hervorgehoben werden.

Elektronik, Software, Presets.

Software-Screenshot
Screenshot der Software

Die Elektronik ist komplett im Bassteil untergebracht. Im Grunde hat der User zunächst einmal gar nichts damit zu tun, denn er kauft eine einzige Aktivbox, die keine Einstellung benötigt, also genau wie eine ganz normale 12/2. Dass diese Box in verschiedenen Gehäusen verteilt ist, kann der User getrost ignorieren. Das ist der Auslieferungszustand des Systems, der „flat“ genannt wird. Aufhängen, Strom und XLR rein, fertig. Die Werkseinstellung ist fest im System eingespeichert und kann jederzeit wiederhergestellt werden. Im Gegensatz zur zitierten „normalen 12/2-Box“ bietet das L-Ray-System aber noch die Möglichkeiten des Controllers. Seine Software (Windows) bietet die Funktionen:

  • Parametrischer EQ (6 Bänder)
  • mehrere Filter (Hochpass bzw. Tiefpass bis zu 36 dB/Okt. mit verschiedenen Charakteristiken
  • Gain, Level in den Ein- und Ausgängen
  • Kompressor und Limiter
  • Delay

Bis zu 10 L-RAY-Systeme sind über einen RS-485-Datenbus adressierbar. Mit dem optional erhältlichen USB/RS-485-Konverter DA-70157 kann ein PC oder Notebook mit USB-Schnittstelle an die serielle RS-485-Schnittstelle angeschlossen werden. Die Limiterfunktion ist gleichzeitig eine Protection. Werksseitig ist der Limiter so eingestellt, dass die Komponenten nicht überlastet werden können. Der User kann diese Einstellung auch nicht „überlisten“. Er kann die Einstellung nur im unkritischen Pegelbereich verändern. Eine Beschreibung der einzel-nen Features des Controllers kann und möchte ich hier nicht liefern, denn erstens wäre das Heft dann allein damit voll, und zweitens sind es die international üblichen Funktionen.

In der Bedienungsanleitung wird übrigens deutlich darauf hingewiesen, dass der Controller Fähigkeiten besitzt, die diejenigen Fähigkeiten des Users überschreiten. Auf den Punkt gebracht sagt man: „Wenn ihr über eine Funktion nicht wirklich Bescheid wisst, dann lasst die Finger davon.“ Wenn ich bedenke, dass solche Systeme vielleicht in Institutionen eingebaut werden, wo Audiokenntnisse Mangelware sind, dann kann ich diesen Satz einfach nur mehrfach unterstreichen.

Die eingebauten Endstufen sind mit 1000W an 4Ohm für die Bässe und mit 1000W ebenfalls an 4Ohm für die Tiefmitteltöner und Hochtöner angegeben. Die Leistung der Tiefmitteltöner gliedert sich in 4x250W auf. Die Endstufenleistung ist eigentlich in diesem Fall, weil sie sehr reichlich bemessen ist, eher unter dem Gesichtspunkt des Headroom relevant, als im maximalen Pegel. Den hatten wir hier laufen und das war mehr als man braucht. Der Headroom aber ist eine unverzichtbare Voraussetzung für einen guten Sound.

Bassboxen-Equipment
Das Equipment in diesem Rack wurde nur für die zusätzlichen Bassboxen benutzt. Es hat mit dem LRay nichts zu tun. Das 1-HE-Gerät mit dem blauen Display ist der DSM-480LAN. Neben seinem Display sieht man drei Drucktaster. Darunter steckt eine weisse Karte im Gerät. Auf dieser Checkkarte im DSM-480LAN können erstellte Presets gespeichert und dann abgerufen werden, ohne das Lautsprechermanagement-System mit einem Rechner zu verbinden. Beim Testaufbau wurde, um unterschiedliche Grenzfrequenzen zu setzen, allerdings ein Laptop verwendet. Passend zum System zwei Verstärker IMG Stage Line STA-3000, ein STA-600, das Lautsprechermanagement-System DSM-480LAN und der digitale 2×30-Band-Stereo-EqualizerDEQ-230 (zum einpegeln für die STA-600) hier ohne Funktion. Der DSM-480LAN generiert den Tief-Pass für die Endstufen STA-3000 über den beiden 3000-ern die STA-600 hier ohne Funktion. Die beiden STA-3000 werden über DSM-480LAN angesteuert und sind die Amps für die MEGA-215SUB Bassboxen. Es handelt sich also um ein Standardrack, von dem nur die Komponenten angeschlossen sind, die hier auch gebraucht werden.

Betrieb, Sound

Christian Meyer
Christian Meyer,Fachkraft für Veranstaltungstechnik, vom MONACOR INTERNATIONAL Technical Training Center neben den sechs MEGA-215SUB. Es handelt sich hier um High-Power-Bassreflex-Hornhybrid-Subwoofersysteme, bestückt mit jeweils zwei 15“ Celestion FTR15-4080FD.

Die Anlage wurde von zwei MONACOR-Mitarbeitern aufgebaut und gehängt. Die beiden PROSOUND-Redakteure haben mit angepackt. Alle vier sind nun nicht die Veranstaltungstechniker, die das jeden Tag machen. Die einen arbeiten im Vertrieb und die anderen sind Schreiberlinge. Und deshalb hat es auch ein wenig gedauert, bis alles fertig war. Aber auf diese Weise haben wir einen genauen Eindruck bekommen, wie schnell das Leute von Eventdienstleistern machen können, und ich schätze die Aufbauzeit als sehr gering ein. Auch das ist natürlich ein für die tägliche Arbeit extrem wichtiger Punkt.

Transportdolly
Als Zubehör für das L-RAY/2000 ist ein Transportdolly in der Erprobung.

Der Test der IMG Stage Line L-RAY/2000 wurde so vorgenommen, wie das System vom Dolly (der Rollwagen) genommen wurde. Wir haben es nur eingeschaltet und sonst nichts weiter einstellen müssen. Und, wir hatten die meiste Zeit nur die Komponenten laufen, die zum Lieferumfang gehörten, also keine zusätzlichen Bässe.

Für mich ist immer der allererste Eindruck wichtig. Schon wenige Sekunden genügen, um das Ohr (besser den Hörvorgang) an eine Schallquelle und/oder einen Raum zu gewöhnen, und dann ist die Neutralität des Ohres schon verloren. Zu genau diesem Zweck habe ich mein spezielles Musikstück und kann nun sagen, dass mir erstmal nichts aufgefallen ist. So muss es auch sein. Hört man direkt am Anfang der Hörsitzung irgendeine Besonderheit, dann ist es ganz schlecht. Dieser Vorgang läuft komischerweise nur im Negativen, wenn eine Box oder ein Raum besonders gut ist, fällt einem garnichts auf. Das nebenbei. Also habe ich am Anfang einfach der Musik gelauscht, und nichts hat mich abgelenkt. Mehr darf man anfangs nicht verlangen.

Curving
Das Curving der Arrayelemente ist in 1-Grad-Schritten möglich, schnelle und einfache Montage mit Quick-Release-Pins. Der Winkel wird durch kleine „Nasen“ sichtbar gemacht, davon eine fast genau in Bildmitte, über dem Kreuzungspunkt zweier Speakonkabel.

Mit meinen speziellen Hör-CDs habe ich dann die einzelnen Tonbereiche unter die Lupe genommen. Den Anfang mache ich eigentlich immer bei den Mitten. Hier benutze ich das Stück „More“ von „Sisters Of Mercy“. Da kommen sehr harte metallische Schläge vor und an einer Stelle liegen über diesen Schlägen auch Stimmen. Das können nur absolute Spitzensysteme wiedergeben. Das L-Ray konnte das eingeschränkt auch. Die metallischen Schläge wurden etwas „verweichlicht“, sie klangen ein wenig verwaschen und die Stelle an der diese Schläge parallel zu den Stimmen laufen, kam etwas mühsam. Ich konnte die Stimmen nicht so gut verfolgen, sie wurden von den Schlägen maskiert. Das klingt jetzt sehr kritisch, ist es auch, aber die saubere Auflösung dieser Passagen leisten, wie gesagt, nur absolute Spitzenprodukte.

Was leistet das L-Ray? Im großen Ganzen gibt es den Charakter dieser Passagen so wieder, dass der Eindruck, wie man ihn übrigens auch auf sehr guten Kopfhörern bekommt, in recht ähnlicher Weise modelliert wird. Die Klangcharakteristik stimmt, aber die Auflösung ist nicht besonders hoch. Ergebnis: Die Mitten sind klanglich nicht verfälscht, aber sie lösen, in Schulnoten von 1 bis 6 ausgedrückt, nur so um die 3 auf. Damit bin ich erst einmal zufrieden, ich glaube, mehr darf ich nicht erwarten. Einfachere Signale, wie ein Jazz-Tenorsaxofon und eine Solostimme kommen besser weg. Aber ich habe mir ja meine Klangbeispiele so ausgesucht, dass sie eben nicht einfach sind.

Frequenzgang-Hochtonbereich
Der Frequenzgang des L-RAY/2000 ist auch im Hochtonbereich in Ordnung – speziell gemessen an der Tatsache, dass die Hochtonsysteme von der Schallführung her nicht unbedingt auf die Abstrahlung einer kohärenten Wellenfront gezüchtet sind.
Der Frequenzgang des Subwoofers MEGA-215SUB
Wie aus dem Bilderbuch: Der Frequenzgang des Subwoofers MEGA-215SUB

Mein Fazit für die Mitten: Diese Mitten sind nicht audiophil, aber sie können einen recht originalgetreuen Eindruck auch bei satten Lautstärken übertragen. Alles, was ich hier beschrieben habe, fällt niemandem auf, der nicht, wie ich, mit speziellen Hörmethoden an den Sound herangeht. Der normale Hörer hört die Musik ohne wesentliche Einschränkung. Auf die Höhen war ich wegen der Magnetostaten sehr gespannt. Immerhin gehören diese Wandler zu den „schnellsten“ die es gibt, weil sie die leichtesten Membranen haben. Somit ist die benötigte Energie, die die Membran beschleunigt, viel geringer als bei den Kalottenmembranen mit angeklebter Schwingspule der herkömmlichen Treiber. Dazu kommt, dass es sich um echte Hochtöner handelt. Die werden sehr hoch angekoppelt und brauchen nicht den Hochmitteltonbereich mit zu übertragen. Die PA-Branche hat mit solchen Wandlern besonders im Hochtonbereich seit den 80ern gute Erfahrungen gemacht.

Im Hörtest konnte man diese Magnetostaten jetzt nicht sofort heraushören, in dem Sinne: „Das sind ja endlich mal feine, durchsichtige Höhen“. So etwas ist grundsätzlich Soundgequatsche, das überlasse ich anderen. Aber, ich war insgesamt mit den Höhen zufrieden, sie trugen zur Musikalität der Wiedergabe bei.

Der wichtigste Unterschied zwischen diesen Wandlern und anderen, schwingspulenbetriebenen Wandlern ist, dass der mäanderförmig auf die Membran geklebte Antrieb virtuell die gesamte Membranfläche gleichmäßig erfasst. Der Impuls braucht also nicht von der Schwingspule auf die Membran transportiert werden. Das bedeutet extrem schnelle Impulswiedergabe. Das habe ich auch gehört.

Die Höhen waren schlicht und einfach gut, für das Ohr angenehm und – ich nenne es mal: unsensationell. Das sind Höhen, die man am Pult im einzelnen Kanal gut bearbeiten kann, z. B. wenn man die verschiedenen Becken des Schlagzeugs untereinander klanglich absetzen will. Das geht leicht und schnell. Auch der Übergang zwischen den Mitteltönern und den Hochtönern war in Ordnung, da hörte man keine Auffälligkeiten. Der gesamte Mittelhochtonbereich konnte also klanglich überzeugen.

Die beiden 12er-Bässe im System leisten gute und angenehme Arbeit. Sie runden den Sound musikalisch ab und machen auch bei Sprachübertragung eine gute Figur. Sie sind vom Klang her genau richtig dimensioniert. Sie arbeiten ja aktiv von den Säulenelementen getrennt und die Software ist so eingestellt, dass man eigentlich keinen Übergang hören kann. Der Eindruck einer einzigen in sich geschlossenen Schallquelle wird also bestärkt. Diese Bässe reichen zu allen Musikübertragungen, bei denen die klischeemässig ausgedrückt: „rollenden Bässe“ nicht benötigt werden.

Die Einheit des Systems sollte nach Möglichkeit gewahrt bleiben. Ich möchte ganz dringend davon abraten, ohne zwingenden Grund am Flat-Preset herumzuspielen. Bei Sprache kann man am Pult (niemals am Controller) die Bässe ein wenig zurückdrehen, um beste Sprachverständlichkeit zu bekommen. Das allerdings ist eine Vorgehensweise, die allen Soundsystemen gemeinsam ist. So ist es auch mit den Subwoofern: Sie werden auch bei diesem System eingesetzt, wenn es sich um Lautstärke- und Bass-betonte Musik handelt.

Schallausbreitung

Die Schallausbreitung des L-Ray/2000 war so, dass niemand daran Anstoß nehmen kann. Ich weiß, wie echte Line Arrays in der Fläche wirken, wenn man kreuz und quer über die Hörfläche läuft. Das mache ich immer bei allen Systemen. Ein sehr gutes Line Array zeigt diesbezüglich keine Auffälligkeiten. Die für Line Arrays entscheidende Ausbildung einer durchgängigen, homogenen Wellenfront sorgt für die heute bestmögliche Gleichmäßigkeit der Schallausbreitung. Diese im Prinzip halbzylinderförmige Wellenfront wird auch durch das vom Hersteller vorgesehene Curving nicht wesentlich beeinträchtigt.

Eine Lautsprecheranordnung, die keine Zylinderwelle erzeugt, verhält sich anders. Sie erzeugt einzelne Interferenzmuster, die sich als klangliche und pegelmäßige Veränderungen bemerkbar machen. Diese Veränderungen hört man klar defi niert wenn man auf die Lautsprecher zu und von ihnen weg geht, und wenn man parallel zur Schallwand von der einen zur andern Seite geht. Ich habe sehr auf richtige Löcher geachtet oder auf die gefürchteten Mittenlobes, aber da hat man in der Entwicklung wohl sehr sorgfältig gearbeitet. Die Unterschiede sind immer auch da, wo es am schwierigsten für das System ist, nämlich ziemlich weit vorn und am Seitenrand der Abstrahlung so eben noch unauffällig.

Das ist aber für die Anwenderszene dieses Systems in Ordnung. Die typische Zielgruppe für den Einsatz eines solchen Systems, also die Veranstaltungsbesucher, hört normalerweise nicht so analytisch und wird solche Details nicht bemerken, solange der Gesamteindruck gut ist. Alle diese Interferenz-Effekte verstärken sich mit zunehmenden Curving. Sind alle Winkel auf Null, ist der Frequenzgang am besten und auch die zonalen Unterschiede fallen kaum auf. So arbeitet ein typischer Säulenlautsprecher.

Die Wiedergabe erinnert an herkömmliche Ampeln bestehend aus, beispielsweise, 12/2-Boxen, die auch einzelne, überlappende Zonen erzeugen. Jedoch sind beim L-Ray/2000 die einzelnen Elemente so dicht wie möglich aneinandergeschmiegt und minimieren die Interferenzeffekte offensichtlich. Ich möchte jetzt aber behaupten, dass diese Effekte einem Profi auffallen, der Besucher eines Konzerts oder einer Industrieveranstaltung hat damit überhaupt nichts zu tun. Das darf ich eigentlich gar nicht schreiben: Ich halte auch die Psychologie, die hinter dem System steckt, für völlig richtig, denn der Endkunde (Nicht der Veranstalter, sondern der Besucher) erwartet diese Optik. Der Besucher weiß ja gar nichts von Line Arrays, er weiß nur, dass heutzutage die Lautsprecher so wie das L-Ray aussehen. Wenn alles auch soundmäßig gut ist, ist es völlig egal, wie das System im Detail funktioniert. Aber beim kleinsten Fehler am Pult oder dergleichen hätte man z.B. auch bei völlig einwandfrei arbeitenden 12/2er Arrays Gemecker wie: Ja, mit solchen vorsintflutlichen Boxen kann man heutzutage keinen Affen mehr aus dem Urwald locken.

Fazit

Die Namensakrobatik vom Anfang dieses Berichtes möchte ich nicht wiederholen, weil sie zu nichts führt. Das System ist in sich stimmig und bietet, gemessen am Verkaufspreis, einen sehr hohen Nutzwert. Es ist so leicht zu bedienen wie eine ganz normale Box, wenn der Anwender die Finger von den Werkseinstellungen lässt. Das kann er sich für später aufheben, wenn er mit dem System, vor allem aber dem Raum, in dem es spielt, vertraut geworden ist.

Das L-RAY/2000 hat gegenüber herkömmlichen Arrays aus Zweiwegboxen einen entscheidenden Vorteil: Es bündelt sehr akkurat. Das lässt sich auch im Verbund mit anderen Boxen sehr gewinnbringend anwenden. Eine ganz alltägliche Anwendung wäre die folgende: In einer Disko strahlen zwei oder mehr 2-Weg-Boxen auf die Tanzfläche. Sie sind mehr oder weniger unter der Decke angebracht und sind ganz deutlich nach unten und auch nach innen gerichtet. Das ist die übliche Tanzflächenbeschallung. Eine klanglich bessere Variante wäre, diese beiden Boxen nicht allzuweit auseinander nicht so stark nach innen gerichtet, aber auch stark nach unten arbeiten zu lassen. Das L-RAY/2000 würde dann außen neben diesen Boxen über die Tanzfläche hinaus den gesamten Hinterraum bedienen. Das lässt sich mit solchen Systemen sehr gut machen, denn das L-Ray mischt sich nicht in den Sound der 2-Weg-Boxen ein. Auch regt es die Decke nicht an und mit ein wenig Glück lässt es sich so ausrichten, dass es die Rückwand ebenfalls nicht direkt trifft. So könnte zum Beispiel eine qualitativ hochwertige und gleichmäßige Beschallung realisiert werden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man jederzeit die Balance zwischen den beiden Lautsprecher-Gruppen nach Wunsch ändern kann, einfach, weil sie weder verstärkertechnisch noch klanglich etwas miteinander zu tun haben. Das habe ich jetzt nur geschrieben, um die Phantasie ein wenig anzuregen. Insgesamt ist das System in jeder Hinsicht seinen Preis wert. Auf jeden Fall übersteigt der Nutzwert den Warenwert erheblich. Der Preis von EUR 4429,- inkl. MwSt gilt für Rahmen, vier Elemente und Bass. Und, weil mir Sound-Geschwätz zuwider ist, möchte ich auch zu allerletzt noch einmal auf die verarbeitungsmäßige Solidität des L-Ray hinweisen.