Messung Mundorf Air Motion Transformer

Das erste Testmuster des neuen ProAMT im 12″-Gardemaß flatterte bereits im vergangenen Jahr ins Haus– gut, für ein echtes „Flattern“ ist er dann doch ein bisschen zu schwer, aber insgesamt ist die Einheit doch erstaunlich flach und handlich.

Mundorf ProAMTIm Vergleich sind aber andere Mittelhochtonsysteme, die konphase Schallabstrahlung aus einer Schallaustrittsöffnung von ca. 30cm x 3cm liefern können, auch nicht leichter, brauchen aber mehr Bauvolumen für die Schallführung. Sie merken schon, es läuft auf Line-Arrays hinaus, und zwar auf die größeren Kaliber, deren Arrayelemente eine Bauhöhe von etwa 12″ haben.

Das ist schon nicht mehr das kleine Besteck – und deshalb werden die Entwickler von solch einem alternativen Hochtonsystem auch eine gewisse Pegelfestigkeit fordern. Umso interessanter war dann natürlich der Messtermin bei Mundorf in Köln.

Das Nette bei Magnetostaten im Allgemeinen und beim AMT im Speziellen ist die Tatsache, dass man die Abmessungen der Schallaustrittsöffnung gut skalieren kann, wenn man erst einmal grundsätzlich das Schwingungsverhalten der Membran im Griff hat. Vereinfacht gesprochen: Braucht man eine längere Schallaustrittsöffnung, macht man halt die Membran länger.

In ähnlicher Weise kann man auch das horizontale Richtverhalten über die Breite der Membran steuern. Macht man die Membran größer, steigt automatisch auch die Belastbarkeit, weil der AMT praktisch über die komplette Schall abstrahlende Fläche auch die Verlustwärme abführen und ggf. sogar per Lüfter gekühlt werden kann, weil sich die Wärmeentwicklung nicht in einem engen Luftspalt abspielt.

Messmikrofon von Microtech Gefell
Messmikrofon von Microtech Gefell, bestehend aus dem Vorverstärker MV220S für vorpolarisierteKapseln und einer 1/2″-Mikrofonkapsel vomTyp MK202E für Schalldruckpegel bis zu 158dB.

Dass das alles nicht ganz so simpel ist und dem Hersteller im Detail viel Entwicklungsaufwand abfordert, kann den Kunden aber egal sein. Sie bekommen eine Schallquelle, die sich gerade in dem für Line-Arrays kritischen Hochtonbereich schön skalieren, an die jeweiligen Anforderungen anpassen lässt und dabei zusätzlich einige klangliche Problemzonen klassischer Lösungen konstruktionsbedingt nicht hat.

Für unsere Messungen an dem neuen 12″-ProAMT haben wir uns also wieder mit unserem TEF-Messsystem bewaffnet sowie mit einem Messmikrofon von Microtech Gefell, bestehend aus der neuen Version des Vorverstärkers MV220, dem MV220S, für vorpolarisierte Kapseln und der 1/2″-KapselMK202E, die Schalldruckpegel bis zu 158dB verarbeiten kann. So laut wurde es bei unseren Messungen natürlich nicht, aber es ging auch darum, für die Klirrfaktormessungen mit genügend Reserve zu arbeiten.

Für die eigentlichen Messungen haben wir einen Sinus-Sweep von 700Hz bis 8 kHz und 1,5 s Dauer verwendet. Der12″-ProAMT lief hier ohne Lüfterkühlung. Wir haben die Messungen daher nicht bis zur Zerstörung der Membran getrieben, sonderbis zum Erreichen einer Leistung von ca. 76W.

Frequenzgang
Frequenzgang des Grundtons sowie der 2. und 3. Harmonischen etwa bei Maximallast (oben) und ca. 5dB darunter (unten).

Die obere Grafik zeigt den Frequenzgang der 1. bis 3. Harmonischen an dieser Leistungsgrenze. Bei 6,5 kHz wird in 1 m Entfernung ein maximaler Schalldruckpegel von etwas mehr als 131 dB erzeugt. Der ProAMT wurde hier ohne Horn betrieben. Mit Hornladung würde der Frequenzbereich darunter auch auf etwa diesen Wert angehoben. Hier liegt K2 ab ca. 880Hz durchgehend bei -20 dB und weniger, des gleichen K3 bei Frequenzen oberhalb von ca.1,3 kHz. Darunter weist der Anstieg vonK 3 auf den Hochlastbetrieb hin.

Bei ca. 5 dB weniger Schalldruckpegelsieht alles noch einmal ganz deutlich harmloser aus: Der ohnehin eher unkritische K2 hat fast durchgehend einen Abstandv on mehr als 25dB vom Grundton, und insbesondere K3 hält oberhalb von ca. 1,5kHz ca. 40dB und mehr Abstand– völlig unproblematisch. Unterhalb von1,5 kHz sind es immer noch 25-30dB, ebenfalls ein sehr guter Wert. Pegelmäßig arbeitet der neue 12″ ProAMT also in derselben Liga wie die 20cm-Variante – und das ohne Lüfterkühlung und bei deutlich geringerer Leistung.

Auf dieser Basis kann man vermuten, dass hier durchaus auch noch Luft nach oben sein dürfte – der ProAMT entwickelt sich also zu einer ernsthaften Option auch für Hochleistungs-Line-Arrays.