Kling & Freitag SEQUENZA

Das SEQUENZA 10 Line-Array-System von Kling & Freitag arbeitet mit Arrayelementen, die mit 2×10″-Chassis und drei 1″-Treibern bestückt sind. Die Hochtoneinheit des K&F SEQUENZA 10 besteht aus einem patentierten Waveformer mit drei 1″-Hochtontreibern und erzeugt eine ebene Wellenfront bis zu Frequenzen über 16 kHz.

Udo Lindenberg Stadion Tour-2015: Kling & Freitag SEQUENZA 5 Arrayelement
Kling & Freitag SEQUENZA 5 Arrayelement

Es gibt zwei Ausführungen des Arrayelements, einmal mit einem Nenn-Abstrahlverhalten von 7°x77° (SEQUENZA 10 N) und einmal 7°x100° (SEQUENZA 10 W). Es handelt sich um ein komplett horngeladenes 2+1-Wege-System, das zweikanalig mit den neuen K&F PLM+ bzw. für Festinstallationen mit den neuen K&F D-Serie SystemAmps angesteuert wird.

Die SEQUENZA 10 verwendet die von Kling & Freitag entwickelte und patentierte FLC-Technologie, die bereits im Tiefmitteltonbereich eine deutlich gerichtete und homogen verlaufende Abstrahlcharakteristik bewirkt. Dabei werden zwei gleiche Lautsprecherchassis akustisch zu einem Linienstrahler – wir reden hier jeweils über die Chassis in einem Arrayelement, also über das horizontale Abstrahlverhalten – gekoppelt und über die FLC-Elektronik (Frequency-dependent Line-Coupling) in unterschiedlich breiten Frequenzbändern phasengleich angesteuert. Durch die frequenzselektive Addition der beiden 10″-Membranen entsteht so eine akustisch optimierte Lautsprechereinheit – speziell in Hinblick auf Tiefmitteltonwiedergabe, Wirkungsgrad und Homogenität des Rundstrahlverhaltens.

Das SEQUENZA 5 ist – der Name legt die Vermutung nahe – ein Line-Array-System, das auf der Basis von 5-Zoll-Chassis aufgebaut ist. 5″ heißt gleichzeitig auch: kompakt, und das ist das Sequenza 5 in der Tat. Hier sind insgesamt vier 5″-Chassis pro Arrayelement verbaut und in einer 2×2-Konfiguration auf der Schallwand platziert. Das macht das Arrayelement mit einer Breite von nur knapp 37cm sehr schmal, weshalb das System auch unter beengten Platzverhältnissen oder für Anwendungen eingesetzt werden kann, in denen das Lautsprechersystem die Sichtbedingungen für die Zuschauer möglichst wenig einschränken soll.

Das SEQUENZA 5 System ist dank Neodym-Antrieb für die Tiefmitteltöner und Treiber mit insgesamt nur 16,3 kg sehr leicht. Das ist ein großer Vorteil bei Projekten, in denen die zum Fliegen benutzte Tragwerkstruktur eigentlich nicht für den Einbau von Lautsprechersystemen ausgelegt ist und daher nur begrenzte Traglasten zulässig sind.

Im SEQUENZA 5-Arrayelement kommt für den Hochtonbereich eine spezielle horngeladene Schallführung zum Einsatz, die von drei 1″-Treibern auf Waveformer angetrieben wird.

Die Schallwege für diese drei Einzeltreiber sind innerhalb dieser Schallführung bereits um 5° gegeneinander angewinkelt, so dass mit dem SEQUENZA 5 Arrayelement auch ein ausgeprägtes Curving möglich ist, ohne dass die Kopplung im Hochtonbereich darunter leidet. Dies ist auch im vorliegenden Fall für die Beschallung des oberen Tribünenrangs in der Hannoveraner HDI-Arena von Vorteil, weil einen am Tribünendach installiertes Beschallungssystem einen vertikalen Winkel von über 70° abdecken muss, um den Oberrang in der Vertikalen gleichmäßig versorgen zu können.

Das hierfür eingesetzte Array aus sechs SEQUENZA 5 ist wegen der geringen Breite der Systeme extrem unauffällig, hat aber mit einer Programmbelastbarkeit von 700W pro Element genügend Power für moderne Mischveranstaltungen, die heutzutage auch in Stadien an der Tagesordnung sind. Das Gewicht des kompletten Arrays samt Flugrahmen liegt bei nur ca. 115kg – sehr unproblematisch also, was die Belastung der Tragwerkstruktur angeht.

Signalverteilung

satis&fy setzte für die Udo Lindenberg Stadion Tour 2015 Soundcraft Vi6-Konsolen ein – zwei an den Monitorplätzen und eine am FOH. Die Mischpulte sowie ein Zuspiel/Recordingplatz im FOH sind in einen RockNet-Ring eingebunden. Insgesamt kommt man auf diese Weise auf 256 Audiokanäle, die dank RockNet von jedem Ton-Arbeitsplatz aus im Zugriff sind.

Udo Lindenberg Stadion Tour 2015: Das System ist startklar!

Durch das RockNet ist man sehr flexibel, was die Standorte der Arbeitsplätze angeht. Der Zuspielplatz zum Beispiel könnte bei Bedarf auch auf der Bühne stehen, weil man sich problemlos sowohl auf der Bühne als auch am FOH in das RockNet einklinken kann. Über RockNet werden z.B. auch die In-Ear-Monitorwege angesteuert, so dass man auch auf der Bühne praktisch kein analoges Multicore mehr braucht. Insgesamt wurden für diese Produktion ca. 240 von 256 möglichen Audiokanälen im RockNet verwendet.

Udo Lindenberg Stadion Tour 2015: Das SEQUENZA 5 Line-Array deckt einen vert. Winkel von über 70° ab.
Das SEQUENZA 5 Line-Array deckt einen vertikalen Winkel von über 70° ab.

Die Architektur der Signalverteilung innerhalb des Stadions für das Beschallungssystem von satis&fy für die Udo Lindenberg Stadion Tour 2015 basiert auf einem redundanten Dante-Netzwerk. Die Ausspielwege gehen digital (AES/EBU) aus dem Pult und ebenfalls digital in die Weichen. Von da aus werden die Signale mit Dante u.a. an die Bühne transportiert, wo die Signale über Break-Out-Boxen ausgekoppelt und gleichzeitig analog und digital (AES/EBU) zur Verfügung stehen.

Normalerweise gehen die Audiosignale mit 96kHz in die Amps. Diese bieten eine Fallback-Funktion, d.h. wenn digital kein Signal kommen sollte, schalten die Amps automatisch auf die analogen Eingänge um.

Wenn Störungen bei der digitalen Übertragung, z.B. Clock-Slips, auftreten, kann man via Fernsteuerung auch manuell umschalten. In beiden Fällen wird der Latenzunterschied zwischen analogem und digitalem Interface von den Endstufen automatisch berücksichtigt, so dass nicht plötzlich z.B. die Signale für z.B. einige Elemente eines Line-Arrays um einige Millisekunden verschoben sind, was ja drastische Veränderungen des Richtverhaltens mit sich bringen würde.

Anbindung der Hausanlage

Udo Lindenberg Stadion Tour 2015: Kling & Freitag SEQUENZA 10 Line-Array für den Unterrang
Kling & Freitag SEQUENZA 10 Line-Array für den Unterrang

Die Signalübergabe an die Kling & Freitag-Hausanlage der HDI-Arena erfolgt im vorliegenden Fall analog aus dem Dante-Netzwerk. Im Prinzip wäre eine Signalübertragung auch via Dante möglich gewesen, da die im Stadion fest installierten fest verbauten K&F PLM+ SystemAmps-Vorgängermodelle ebenfalls in einem Dante-Netzwerk verbunden sind.

Arnd Wagner hatte sich im vorliegenden Fall jedoch gegen diese Variante entschieden, um nicht einen weiteren Dante-Kreis in seinem Netzwerk aufmachen zu müssen. Theoretisch wäre natürlich eine Anbindung der Stadion-Hausanlage in das vorhandene Netzwerk des Touringsystems möglich. Dann allerdings hätte man quasi das komplette Stadion mit im Netz, obwohl nur einige Komponenten genutzt werden sollten. Dieses Vorgehen hätte den Nachteil gehabt, dass die Architektur des Stadionsnetzes im Detail hätte bekannt sein müssen. Und man hätte sicherstellen müssen, dass es z.B. keine IP-Adresskollisionen geben kann, etwa weil ein Switch der Hausanlage zufällig einen IP-Adressbereich vergibt, der auch im Netz des Touringsystems genutzt wird.

An dieser Stelle haben die Verantwortlichen der Toncrew weniger ein technisches Problem, sondern eher ein organisatorisches, denn anders als in Hannover, wo das versierte Team um den Technischen Leiter der HDI Arena, Christian Martin, stets präsent war, sind die Netzwerkexperten einer fest installierten Hausanlage nicht immer schnell genug erreichbar, falls es zu einem Problem kommen sollte.

Daher geht man eher auf Nummer sicher und löst die Einbindung der Hausanlage so, dass auch in unwahrscheinlichen Problemsituationen die Auswirkungen eines Fehlerzustandes eingegrenzt bleiben und selbst behoben werden können.

Udo Lindenberg Stadion Tour 2015: Soundcraft Vi6 Konsole am FOH-Platz
Soundcraft Vi6 Konsole am FOH-Platz

Generell, so Arnd Wagner, ist für den Einsatz von vorhandenen Komponenten der Hausanlage die Verlässlichkeit solcher Anlagenteile ein entscheidendes Kriterium. Kann ich einschätzen, welche Problemsituationen bei Mitnutzung (von Teilen der) der Hausanlage möglicherweise auftreten könnten, und ob fachkundiges Personal des Hauses bereitsteht, um etwaige Probleme schnell zu beheben?

Die Frage stellt sich, denn das Audionetzwerk des Touringsystems braucht man ja ohnehin, und die Lautsprecherkomponenten stehen zumindest im Truck bereit. Die Alternative steht also immer bereit und man könnte im Fall der Fälle das zusätzliche Holz dazu hängen/aufzubauen und in das Netzwerk einzubinden. Dann weiß man auf jeden Fall, dass und wie es funktioniert und dass eigenes Personal ggf. zur Problembehebung bereit steht.

Das bedeutet aber: Wenn man Komponenten der Hausanlage benutzt, müssen diese erstens von vergleichbarer Qualität sein. Dass man es dann es in der Regel mit unterschiedlichen Herstellern zu tun hat, wird dann das geringere Problem sein, weil professionelle System- und Toningenieure mit Lautsprechersystemen auf internationalem Qualitätsniveau in der Regel keine Probleme haben.

Wichtig ist, dass die Hausanlage technisch gut dokumentiert ist, die Dokumentation tatsächlich dem aktuellen Zustand der Anlage entspricht (nicht selbstverständlich) und dass Personal ansprechbar und verfügbar ist, das sich mit der Hausanlage auskennt und bei Problemen schnell und kompetent helfen kann. Erst dann stellt die Ersparnis beim Auf-/Abbau sowie der Konfiguration von Teilen der Touringanlage eine echte Entlastung für den technischen Dienstleister einer Tourproduktion dar.

Auf der Habenseite steht dann natürlich, dass eine fest installierte Hausanlage normalerweise hinsichtlich Lautsprecherauswahl, -platzierung und Ansteuerung sorgfältig auf die akustischen Gegebenheiten der Arena oder sonstigen Veranstaltungsstätte eingerichtet ist – besser als es selbst ein gutes Touringsystem sein kann. weil es für viele verschiedene Veranstaltungsstätten passen und dabei transportabel und in überschaubarer Zeit auf- und abbaubar sein muss.

Letzteres wird man normalerweise auf Seiten sowohl der Tontechnik, als auch des Publikums, nicht als Problem empfinden, denn das Beschallungssystem für eine große Tourproduktion ist heutzutage auch eine sorgfältig vorbereitete und auf die verschiedenen Hallen/Arenen angepasste Angelegenheit. Das galt auch für die vorliegende Produktion in Hannover – in den von mir während des Konzertes erlaufenen Publikumsbereichen war der Sound bei guter Textverständlichkeit druckvoll, fett und durchsetzungsfähig, wie man es von einem Beschallungssystem auf internationalem Niveau erwarten kann.

Udo Lindenberg Stadion Tour 2015: Links: Arnd Wagner, System Engineer ( satis&fy, Live Entertainment & Touring Support), rechts: David Ludz (Kling&Freitag, Anwendungssupport)
Links: Arnd Wagner, System Engineer ( satis&fy, Live Entertainment & Touring Support), rechts: David Ludz (Kling&Freitag, Anwendungssupport)

Die Alternative einer Nutzung zumindest von Teilen der Hausanlage auf der anderen Seite kennt man aus eigener Erfahrung aber kaum, weil das heutzutage noch selten gemacht wird. In den Publikumsbereichen, in denen in Hannover die Kling & Freitag Anlagenkomponenten die Versorgung übernahmen, war der Ton ebenfalls kräftig und druckvoll bei guter Sprachverständlichkeit, der Publikumsbereich war gut und gleichmäßig ausgeleuchtet, und die Systeme waren im positiven Sinne nicht hörbar. Wie es sich für ein ordentlich eingerichtetes Delaysystem gehört, erfolgte die Ortung in Richtung des zuerst eintreffenden Direktschalls, während die Delaysysteme die gleichmäßige Versorgung übernehmen und natürlich einen Einfluss auf den Klang haben.

Für den Stadionbetreiber ist so etwas natürlich auch interessant, denn man investiert ja im Grunde bereits in eine konzerttaugliche Beschallungsanlage und kann sich freuen, wenn man zumindest Teile davon auch für gastierende Tourproduktionen vermieten kann.