Beschallungskonzept der Udo Lindenberg Stadion Tour 2015

Zum Gesamtkonzept der Beschallung im Allgemeinen und dem Einsatz der Kling & Freitag-Systeme im Besonderen erläuterte uns Arnd Wagner von satis&fy, dass Udo Lindenberg früher eigentlich kein großer Freund von Konzertproduktionen in solch großen Stadien war, weil dort die Distanz zu seinem Publikum allein durch die Dimension der Arenen größer als von ihm eigentlich gewünscht ist.

Udo Lindenberg-Stadion Tour 2015: Delay-Tower mit Line-Array und Cardioid-Bass-Setup.
Delay-Tower mit Line-Array und Cardioid-Bass-Setup

Um den besonderen Reiz eines großen Stadion-Konzerts sowohl für den Künstler als auch für das Publikum erfahrbar zu machen, ohne dabei gleichzeitig die Nähe zum Publikum zu verlieren, sollten sowohl bei der Bühnentechnik als auch beim Beschallungskonzept besondere Maßnahmen getroffen werden, um die Direktheit eines Konzertes in kleinerem Rahmen sozusagen in den großen Maßstab übertragen zu können.

Was die Nähe des Künstlers zu seinem Publikum aus der Sicht des Künstlers angeht, könnte man meinen, dass es da kaum eine bühnentechnische Lösung geben kann, um in einem großen Stadion eine Verbesserung herbeizuführen. Umgekehrt ist das weniger ein Problem: Hier kann man mit großen LED-Bildwänden eine stark vergrößerte Ansicht des Künstlers auf der Bühne auch in die hintersten Sitzreihen des Stadions transportieren, von denen aus die Bühne mit bloßem Auge nur noch als kleines, puppenstubenhaftes Etwas sichtbar ist.

Udo Lindenberg Stadion Tour 2015: Zwei der pro Seite drei geflogenen Delays aus je 8x L'Acoustics K2
Zwei der pro Seite drei geflogenen Delays aus je 8x L’Acoustics K2

Doch: Dem Ingenieur ist nichts zu schwör. Die für die Udo Lindenberg Stadion Tour 2015 gefundene Lösung ist zwar ungewöhnlich, aber eigentlich nahe liegend, wenn man sie erst einmal kennt. Um Udo Lindenberg sehr nahe an verschiedene Publikumsbereiche im Stadion bringen zu können, hat man „einfach“ den technischen Ansatz einer Spidercam benutzt, um ein Transportsystem für den Künstler zu kreieren. Eine Art Fahrkorb hängt – wie eine Spidercam – an vier langen Kevlarseilen, die mit Winden so auf und abgerollt werden, dass der Fahrkorb über große Entfernungen zu beliebigen Punkten innerhalb des Stadion-Innenraumes gefahren werden kann.

Was die beschallungstechnische Seite angeht, ist die Lösung für den Wunsch nach größerer Direktheit schon etwas aufwendiger. Udo Lindenbergs Wunsch war es, auch dem Publikum in den weit von der Bühne entfernten oberen Rängen eine direkte, kraftvolle Beschallung zukommen zu lassen, wie man sie eigentlich nur bei kleineren Veranstaltungsorten erfahren kann. Der Weg zu diesem Ziel, so Arnd Wagner, ist der Einsatz von deutlich mehr Lautsprechersystemen, als sie für gewöhnlich in einem Stadion dieser Größe (HDI Arena: ca. 45.000 Plätze bei internationalen Fußballspielen) erforderlich wären.

Udo Lindenberg Stadion Tour 2015: Geflogenes Delay aus 8x L'Acoustics K2
Geflogenes Delay aus 8x L’Acoustics K2

Die Beschallungsanlage, die auch bei den anderen Terminen der Udo Lindenberg Stadion Tour 2015 zum Einsatz kam, verwendet durchgehend Beschallungssysteme von L’acoustics und zwar pro Seite in der Main-PA 14x L’acoustics K1, 4x L’acoustics K1SB Subs (mit geflogen im Hauptarray) sowie ein separater Hang aus 6x L’acoustics K1SB als Bassarray in einer Endfire-Konfiguration.

Das Side-Array an der Bühne bestand je Seite aus 12x L’acoustics K1 plus 3x Kara. An zusätzlichen Basssystemen auf dem Boden wurden im Bühnenbereich nochmals 32 L’acoustics SB28 Subs eingesetzt. Ungewöhnlich reichhaltig, und zwar genau wegen der gewünschten Direktheit und einer kraftvollen Durchsetzungsfähigkeit, waren auch die Delay-Systeme ausgestattet.

Auf der Spielfläche gibt es je Seite ein Delay-Array aus 8x L’acoustics K1 plus 3x Kara sowie 6x L’acoustics SB28 Subs als Ground-Stack in einer Cardioid-Konfiguration. Letzteres, um auch dem Bass eine Hauptabstrahlrichtung von der Bühne weg zu verleihen, damit das Delaysystem nicht der Hauptbeschallung akustisch in die Quere kommt. Nicht weniger üppig sind die Delays für den Oberrang ausgestattet. Hier kommen an jeder Seite nicht weniger als drei Arrays aus je 8x L’acoustics K2 zum Einsatz.

Kling & Freitag Hausanlage

Als Delay für den Oberrang in der Gegentribüne (Südkurve) wurden die fest installierten Kling & Freitag-Lautsprechersysteme verwendet, die Teil der neuen Hausanlage der HDI-Arena sind – dies wird Gegenstand eines separaten Projektartikels sein. Die Montageorte der hier verwendeten Lautsprecher entsprechen im Prinzip dem Grundgedanken einer Beschallung aus dem vorderen Bereich des Tribünendaches, weil sich dadurch eine bestmögliche Abdeckung der verschiedenen Tribünenbereiche ergibt.

Udo Lindenberg Stadion Tour 2015: Abstrahlverhalten der Kling & Freitag Line-arrays für den Oberrang (grün eingezeichnet für zwei Arrays)
Abstrahlverhalten der Kling & Freitag Line-arrays für den Oberrang (grün eingezeichnet für zwei Arrays)

Die genauen Montagestandpunkte der Systeme und deren Ausrichtung und Curving wurde mit Computersimulationen unterstützt, um eine bestmögliche Versorgung und Sprach- bzw. Textverständlichkeit für die Tribünenbereiche sicherstellen zu können.

Seit dem umfangreichen Umbau des Stadions für die Fußballweltmeisterschaft 2006 hat das Stadion eine Komplettüberdachung, die zweiteilig gestaltet wurde, um möglichst viel Tageslicht auf die Rasenfläche gelangen zu lassen. Die neue Überdachung besteht aus einer Tragwerkkonstruktion, die in einem äußeren Ring mit Trapezblech bedeckt ist, während die Abdeckung des inneren Rings mit einer Bespannung aus ETFE-Folie gelöst wurde, die eine sehr gute Durchlässigkeit für UV-A- und UV-B-Licht hat.

Wegen der Geometrie der Tribünen im unteren und oberen Rang sind die fest installierten Lautsprechersysteme für den oberen Rang an der Tragwerkstruktur des Catwalks etwa an der Grenze zwischen inneren und äußeren Ring aufgehängt, während die Systeme für die Versorgung des Unterrangs weiter vorne, etwas zurückgesetzt von der vorderen Tribünendachkante, hängen.

Für den Oberrang kommen Line-Array-Systeme vom Typ Kling & Freitag SEQUENZA 5 mit je sechs Arrayelementen je Array zum Einsatz. Für den Unterrang werden Kling & Freitag SEQUENZA 10 verwendet, und zwar jeweils vier Arrayelemente pro Array. Die genaue Positionierung und auch das Curving für jedes Array wurden an die jeweilige Tribünengeometrie angepasst, die in den verschiedenen Bereichen des Stadions unterschiedlich ist.

Beim Umbau 2003/2004 wurde die Westtribüne mit ihrem geringen Neigungswinkel belassen, während die neue Osttribüne deutlich steiler angelegt ist. Die Nord- und Südtribüne sind demzufolge so konstruiert, dass sie entsprechende Übergänge zu diesen unterschiedlichen Neigungswinkeln aufweisen.

Udo Lindenberg Stadion Tour 2015: Auf Seite 3 lesen alles über die Kling & Freitag SEQUENZA und die Anbindung der Hausanlage!